{"id":934,"date":"2014-09-13T20:42:00","date_gmt":"2014-09-13T18:42:00","guid":{"rendered":"https:\/\/chriscovery.de\/?p=934"},"modified":"2023-07-12T13:39:08","modified_gmt":"2023-07-12T11:39:08","slug":"etappe-malko-tarnovo-pinarnisar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/2014\/09\/13\/etappe-malko-tarnovo-pinarnisar\/","title":{"rendered":"Etappe Malko T\u0103rnovo-Pinarnisar (Teil 1)"},"content":{"rendered":"\n<p>Lieber Leser,<\/p>\n\n\n\n<p>Stelle dir folgende Situation vor: Du erwachst morgens in deinem Hotelzimmer, trittst vor die T\u00fcr, um dir einen Kaffee, der erfolgsbestimmend f\u00fcr den Tag ist, zu besorgen und blickst in die Gesichter von 30 Polizisten&#8230; Die allgemeine Verwirrung h\u00e4lt nur kurz an, dann machen die Kerle weiter, wobei ich sie unterbrochen habe. <br>Die Frage lautet also: Was war eigentlich passiert?<\/p>\n\n\n\n<p>In Bulgarien scheint sich ein Mangel an Polizeirevieren abzuzeichnen. Daher werden offensichtlich irgendwelche schutzlosen Wirtsh\u00e4user annektiert. So geschehen im Hotel letzte Nacht. Gut, ich hab den Campingplatz beschissen, aber ich behaupte mal, das macht mich nicht zum Top10 Kriminellen. Nee, die Grenzschutzpolizei hat wirklich keine Reviere oder Kasernen, die zum Wachwechsel taugen k\u00f6nnten. Deshalb treffen sich die Polizisten, die sp\u00e4ter den Grenz\u00fcbergang besetzen, hier. Ab und an kommt ein Jeep, die Belegschaft wird ausgetauscht, immer in kleinen Gruppen, nie die gesamte Truppe, und der Jeep f\u00e4hrt wieder. Ich brauchte nur drei Kaffee, bis ich das System begriffen hatte. <\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt verstand ich auch den merkw\u00fcrdigen Blick des Typen, der gestern mein Rad verstaut hatte, als ich es zus\u00e4tzlich noch anschloss. Wer sollte hier was klauen??? Niemand kommt in den Hinterhof, der besser bewacht ist als die Grenze an sich, und klaut ein Rad. Das liebe Freunde, war spannend. Denn viele der Grenzer schauten durchaus sehr neugierig, aber will schon sein Hobby zum Beruf oder in diesem Fall umgedreht machen? Nee, Fragen heben wir uns sch\u00f6n f\u00fcr die Grenze auf und nicht in der Freizeit. So ignorierten sie mich kurz nach meinem Auftauchen v\u00f6llig. <em>Da sitzt irgendwas und beobachtet uns&#8230; kann man nix machen. Ist halt so.<\/em> Allerdings gab es <em>Breakfast for free<\/em>. Einfach am Buffet der Polizei bedienen. Sagt kein Schwein was.<\/p>\n\n\n\n<p>Bulgarien hatte mich so viel Motivation gekostet, da konnte ich auch dieses Br\u00f6tchen, diesen K\u00e4se, die Wurst nehmen. Und diese Tomate &#8211; meine! Okay, ich gebe zu, h\u00e4tte ich gewusst, dass das Essen der treuen Europaw\u00e4chter ist, ich h\u00e4tte mich wohl nicht bedient. Ich bin auch ganz brav zur Kellnerin gegangen und wollte bezahlen, aber sie hat mich aufgekl\u00e4rt. Nee, hier im Hotel muss ich Fr\u00fchst\u00fcck extra bestellen. Was ich gegessen habe, war von der Polizei. Peinlich? N\u00f6, kein bisschen. Passiert andauernd.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber eine schlechte St\u00e4rkung konnte ich mich jedenfalls nicht beschweren und so startete ich das zweite Mal in meinen letzten Bulgarientag. Allm\u00e4hlich kam ich mir schon vor wie die Stones, die alle Nase lang ihre Abschiedstournee machen. Ich war aber fest entschlossen, dass Ding heute durchzuziehen. Nur schlappe 10 Kilometer k\u00fcndigte das Navi beim Festlegen der Route an. Also los. Huch, ein Berg. Egal, ich hatte schlie\u00dflich gut gefr\u00fchst\u00fcckt. Aber was war das? Auf dem Berg, ein weiterer Berg und noch einer. Insgesamt 450 H\u00f6henmeter waren bis zur Grenze zur\u00fcckzulegen. Irgendwann \u00fcberholte mich ein Rennradfahrer, der nach wenigen Metern prompt eine Wendung einlegte und mich nach dem Ziel fragte. Wahnsinn, der erste Typ, der sich hier f\u00fcr meine Tour interessierte. Wir quatschten ein bisschen und es stellte sich raus, das der Herr aus Plovdiv stammte, dem Ort, den ich wegen seiner unm\u00f6glichen Radwege und den ziemlich miesepetrigen Leuten in Erinnerung hatte. Ja, hier in der Abgeschiedenheit der Berge tauen sie pl\u00f6tzlich auf. Als ob es darum ginge, auf keinen Fall zu Hause zuzugeben, dass man ein bisschen neugierig ist. Komisches V\u00f6lkchen diese Bulgaren.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Wo-ist-die-Ente.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/192.168.252.64\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Wo-ist-die-Ente-1024x577.jpg\" alt=\"Wo-ist-die-Ente\" class=\"wp-image-723\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Aber er munterte mich auf. Die Schieberei habe bald ein Ende, nur noch einen Kilometer bis zur Grenze und hinter der n\u00e4chsten Kurve k\u00f6nne ich wieder fahren. Stimmte sogar. Und dann kam der n\u00e4chste Schock. An der Grenze war ein sehr neugieriger Z\u00f6llner, der auch wieder ganz genau nachfragte. Aber nicht aus beruflichen Gr\u00fcnden, sondern weil er wirklich Spa\u00df an Ente und mir hatte. Bald standen 10 Grenzer um mich herum, von denen ich das eine oder andere Gesicht heute morgen beim Kaffee schon gesehen hatte und es entbrannte ein lebhaftes Gespr\u00e4ch. Der Anfangsz\u00f6llner \u00fcbersetzte flei\u00dfig. Sollte es tats\u00e4chlich nur das Sprachproblem sein, dass die Bulgaren von einer Unterhaltung abhielt? Sind es tats\u00e4chlich ganz normale S\u00fcdosteurop\u00e4er? Habe ich vielleicht auf Grund fehlender Bulgarischkenntnisse echt ein paar interessante Gespr\u00e4che verpasst? H\u00e4tte man vielleicht die Zigeunerprobleme wirklich mal mit jemandem aus dem normalen Volk bequatschen k\u00f6nnen? Schade eigentlich. Vielleicht komme ich doch noch einmal wieder, dann aber bestimmt ohne Rad. Zum Abschied meinte der dicke und freundliche Z\u00f6llner: <em>Sei beruhigt, ab jetzt geht es nur noch bergab<\/em>. Fantastisch! Danke, das waren die besten Nachrichten \u00fcberhaupt. Nur noch die t\u00fcrkische Grenze passieren und dann im Eiltempo nach unten. Es gab auch \u00fcberhaupt kein Problem. Stempel in den Pass, Tsch\u00fcss.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Grenz\u00fcbergang-T\u00fcrkei.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/192.168.252.64\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Grenz\u00fcbergang-T\u00fcrkei-1024x577.jpg\" alt=\"Grenz\u00fcbergang-T\u00fcrkei\" class=\"wp-image-724\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Grenze-Ente-T\u00fcrkei.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/192.168.252.64\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Grenze-Ente-T\u00fcrkei-1024x577.jpg\" alt=\"Grenze-Ente-T\u00fcrkei\" class=\"wp-image-725\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Und dann ging es tats\u00e4chlich 4 Kilometer lang bergab. Aber scheinbar war der Dicke noch nie weiter als 4 Kilometer in der T\u00fcrkei, denn danach ging es wieder bergauf. Nicht wie in Serbien! Du durchf\u00e4hrst das Gebirge nicht, sondern das Ding ist grenz\u00fcberschreitend. Also fing die T\u00fcrkei genauso an, wie Bulgarien aufh\u00f6rte&#8230; Aber doch ganz anders. Wie ich zu meinen ersten 4 oder 5 Litern Tee gekommen bin, erz\u00e4hle ich euch aber erst das n\u00e4chste Mal. Hier machen wir mal einen ganz vern\u00fcnftigen L\u00e4nderschnitt. Denn von der T\u00fcrkei und den tollen Menschen kann man fast nicht genug erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Bergab-in-die-T\u00fcrkei.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/192.168.252.64\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Bergab-in-die-T\u00fcrkei-1024x577.jpg\" alt=\"Bergab-in-die-T\u00fcrkei\" class=\"wp-image-726\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lieber Leser, Stelle dir folgende Situation vor: Du erwachst morgens in deinem Hotelzimmer, trittst vor die T\u00fcr, um dir einen Kaffee, der erfolgsbestimmend f\u00fcr den Tag ist, zu besorgen und blickst in die Gesichter von 30 Polizisten&#8230; Die allgemeine Verwirrung h\u00e4lt nur kurz an, dann machen die Kerle weiter, wobei ich sie unterbrochen habe. 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