{"id":932,"date":"2014-09-25T01:19:00","date_gmt":"2014-09-24T23:19:00","guid":{"rendered":"https:\/\/chriscovery.de\/?p=932"},"modified":"2023-07-12T14:34:35","modified_gmt":"2023-07-12T12:34:35","slug":"etappe-malko-tarnovo-pinarhisar-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/2014\/09\/25\/etappe-malko-tarnovo-pinarhisar-teil-3\/","title":{"rendered":"Etappe Malko Tarnovo &#8211; Pinarhisar (Teil 3)"},"content":{"rendered":"\n<p>Liebe Leser, zuerst muss ich euch gestehen, dass ich bereits seit einigen Tagen wieder in Deutschland bin. Der Blog h\u00e4ngt im Moment drei Wochen hinterher, was ich nat\u00fcrlich damit rechtfertige, dass ich mich erst einmal wieder ins &#8222;normale Leben&#8220; zur\u00fcckfinden muss. Ist gar nicht so einfach. Dazu sp\u00e4ter mehr. Heute erz\u00e4hle ich euch, wie es denn nun mit meinem ersten Tag in der T\u00fcrkei zuende ging.<br><br>Die letzten Kilometer waren ziemlich leicht. Ging es bislang auf schlechten Stra\u00dfen fast nur nach oben, setzte jetzt das Gegenteil ein. Auf sehr sch\u00f6nen Wegen abw\u00e4rts. Dabei konnte ich auch das erste Mal die t\u00fcrkischen Fahrk\u00fcnste bewundern. Von muslimischer Zur\u00fcckhaltung merkt man da n\u00e4mlich nichts. Wie in jedem osteurop\u00e4ischen Land wird Autofahren wohl als dringend zu erledigendes \u00dcbel angesehen. Nur die Fahrer sind nicht so verbissen bei der Sache. Hier wird gehupt, was das Zeug h\u00e4lt. Was mich an diesem Abend kaum st\u00f6rte (ich fand es sogar recht cool &#8211; weil die T\u00fcrken sich offensichtlich \u00fcber mich freuten), sollte sich mittelfristig als Problem herausstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber was sind die paar restlichen Kilometer, wenn man einen ganzen Tag in sengender Hitze verbracht hat und so beschloss ich keine Experimente mehr zu wagen. Sobald ich in dem St\u00e4dtchen mit dem Geldautomaten angekommen w\u00e4re, so schwor ich mir, w\u00fcrde ich auf Hotel- und Nahrungssuche gehen und ab ins Bett.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich nach Pinarhisar einfuhr, war ich ziemlich beeindruckt. Jetzt wusste ich endlich, was die Redewendung <em>t\u00fcrkischer Basa<\/em>r bedeutet. Pinarhisar ist nicht sonderlich gro\u00df, aber die Hauptstra\u00dfe ist eine einzige lange Gesch\u00e4ftsfront. Die verf\u00fchrerischsten L\u00e4den reihen sich hier aneinander. Futter, Futter, Supermarkt, Bank, Futter, Bank, Bank, Supermarkt&#8230; so geht es auf beiden Stra\u00dfenseiten \u00fcber 3 Kilometer. Geldautomaten gab es gen\u00fcgend und so konnte ich in einen Supermarkt das Preisniveau erkunden. Schnell stellte ich fest, ist alles gar nicht so teuer in der T\u00fcrkei. Hatte ich anders erwartet. Ich deckte mich mit Keksen, Getr\u00e4nken und Zigaretten ein und setzte mich auf die Eingangsstufen des Marktes f\u00fcr ein kleines Abendbrot. Jetzt kommt die t\u00fcrkische Neugier: Denn kaum hatte ich 2 Minuten gesessen, war ich von einer Horde Kids umzingelt, die mein Rad interessant fanden. Es folgten viele Fragen auf t\u00fcrkisch, die ich aber leider nicht beantworten konnte. Das hielt die Kinder aber nicht davon ab, vehement weiter zu fragen und somit war ich dieses Mal an der Reihe mit permanentem Schulterzucken.<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich schlenderte ein \u00e4lterer Mann um die Ecke, betrachtete mich neugierig und fragte mich, ob ich aus Deutschland komme? Ich war erstaunt und bejahte. Er erz\u00e4hlte mir, dass er 30 Jahre in einer Zeche im Ruhrgebiet gearbeitet hat und nun, da er Rente bekommt, zur\u00fcck in die alte Heimat wollte. Die Kids erkannten sofort die M\u00f6glichkeiten, ihre Fragen loszuwerden und so \u00fcbersetzte mein Gespr\u00e4chspartner flei\u00dfig. Nat\u00fcrlich wollten sie wissen, wo ich herkomme, wo ich hinfahre und, was in der T\u00fcrkei scheinbar ganz wichtig ist, wie viel mein Rad gekostet hat. (Eine Frage, die ich im Laufe meines T\u00fcrkeiaufenthaltes noch sehr oft geh\u00f6rt, aber nie ehrlich beantwortet habe.) Als die Neugier meiner kleinen Fans gestillt war, waren auch alle Fragen meines Gespr\u00e4chspartners beantwortet und so verabschiedeten wir uns sehr herzlich und ich machte mich auf die Suche nach einem Hotel.<\/p>\n\n\n\n<p>Da Pinarhisar direkt an einer viel genutzten Transitstrecke von Bulgarien nach Istanbul liegt, war die Suche nicht sonderlich schwierig. Ich fand kaum 100 Meter hinter dem Supermarkt ein sehr h\u00fcbsches Hotel, was weniger als 17\u20ac f\u00fcr die Nacht (inklusive Fr\u00fchst\u00fcck) sensationell g\u00fcnstig war. Der Hotelier sprach ein bisschen Deutsch, ein bisschen Englisch und so fanden wir auch schnell einen sicheren Platz f\u00fcr mein Rad und ich bezog mein Zimmer, duschte und war nun bereit f\u00fcr die Jagd nach etwas Essbarem. Also ging ich wieder zu meinem Gastgeber und bat ihn um eine Empfehlung.  <em>Nur 200 Meter die Stra\u00dfe runter ist ein Kebab &#8211; allerbeste Qualit\u00e4t<\/em>, versprach er. Allerdings hatte der schon nix mehr auf dem Spie\u00df. Als ich wieder am Hotel vorbeikam, sah der Besitzer mich und fragte mit einem verwunderten Blick, ob ich den Laden nicht gefunden h\u00e4tte? Ich erkl\u00e4rte ihm die Lage und er wusste sofort eine Alternative. Aber um zu verhindern, dass mir dieses <em>Ungl\u00fcck<\/em> des umsonst gelaufenen Weges noch einmal passierte, rief er vorerst in dem Restaurant an. <em>Essen? Klar, haben wir &#8211; schicke ihn vorbei Deinen Deutschen!<\/em> Da es aber scheinbar zu kompliziert war, mir den Weg &#8211; der fast 70 Meter lang war &#8211; zu erkl\u00e4ren, nahm mich der Herr schnell mal an die Hand (nicht sprichw\u00f6rtlich),  und brachte mich pers\u00f6nlich zur n\u00e4chsten Kreuzung und zeigte mir die Richtung.<\/p>\n\n\n\n<p>Dummerweise hie\u00df das Restaurant genauso, wie eine kleine Teestube gegen\u00fcber und wenn es eine 50 prozentige M\u00f6glichkeit gibt, etwas falsch zu machen&#8230; na ja, ihr kennt mich ja. So landete ich jedenfalls erst einmal in der Teestube und war verwundert, was mir der Hotelier da empfohlen hat. Es gab hier Tee, Geb\u00e4ck, Kaffee aber nichts Handfestes zu essen. Da ich bei solchen Gelegenheiten gern unterbewusst meinen fragenden Gesichtsausdruck aufsetze, fragte mich ein junger Mann vor der Teestube nach Herkunft, Ziel und meinem Problem. Nachdem ich alles erkl\u00e4rt hatte, wurde meine Hand wieder genommen und ich wurde auf die andere Stra\u00dfenseite gebracht. Der Teetrinker war offensichtlich ziemlich stolz darauf, einen Ahnungslosen eingefangen zu haben und erz\u00e4hlte dem Wirt meine Geschichte. Als noch ein weiterer Mann dazu stie\u00df, wurde es eine sehr lustige Runde, bis auf das Problem, dass ich immer noch nichts zu essen hatte. Aber ein weiterer Gast konnte auch dieses Problem l\u00f6sen. Er stellte sich als ein Deutscht\u00fcrke vor, der mir zuerst genau die Speisen erkl\u00e4rte und auch mit Empfehlungen nicht hinter dem Berg hielt. Ruckzuck wurde das bestellt, was er f\u00fcr das beste hielt und ich muss sagen, ich wurde nicht entt\u00e4uscht. Kochen, so viel wei\u00df ich jetzt genau, k\u00f6nnen die T\u00fcrken ganz wunderbar. Nachdem ich satt und zufrieden noch mit meinem Betreuer plauschte, sprang der pl\u00f6tzlich auf und fragte: <em>Chai?<\/em> Na gut, scheinbar eine Art Ritual, also her mit dem Zeug.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr alle, die demn\u00e4chst mal eine Tour in die T\u00fcrkei planen: Chai lehnt man f\u00fcr gew\u00f6hnlich nicht ab. So dr\u00fccken die T\u00fcrken ihre Gastfreundschaft aus. Und sie zelebrieren den Genuss von Tee. Er ist nicht sonderlich stark und wird gern mit viel Zucker getrunken. Lehnt man die Einladung ab, sind die T\u00fcrken zwar nicht beleidigt, freuen sich aber aufrichtig  \u00fcber jeden, der mit ihnen trinkt. Chai ist dar\u00fcber hinaus eine herrliche M\u00f6glichkeit mit T\u00fcrken ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Deswegen durchflossen bis zu meiner Ausreise noch viele Liter Chai meine Speiser\u00f6hre. Das, so war ich mir sicher, war der perfekte Ort f\u00fcr einen Ruhetag. So beschloss ich, gleich am n\u00e4chsten Morgen mein Zimmer zu verl\u00e4ngern. Warum es aber nicht dazu kam, erz\u00e4hle ich euch. Sp\u00e4ter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leser, zuerst muss ich euch gestehen, dass ich bereits seit einigen Tagen wieder in Deutschland bin. Der Blog h\u00e4ngt im Moment drei Wochen hinterher, was ich nat\u00fcrlich damit rechtfertige, dass ich mich erst einmal wieder ins &#8222;normale Leben&#8220; zur\u00fcckfinden muss. Ist gar nicht so einfach. Dazu sp\u00e4ter mehr. 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