{"id":927,"date":"2014-09-11T00:30:00","date_gmt":"2014-09-10T22:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/chriscovery.de\/?p=927"},"modified":"2023-07-12T13:24:21","modified_gmt":"2023-07-12T11:24:21","slug":"etappe-sinemorets-malko-tarnow","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/2014\/09\/11\/etappe-sinemorets-malko-tarnow\/","title":{"rendered":"Etappe Sinemorets &#8211; Malko Tarnow"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Schwein gehabt!<\/h3>\n\n\n\n<p>Fast h\u00e4tte mich der Campingplatz zum verweilen bewegt. Aber nur fast. Denn Sch\u00f6nheit allein, das wissen die Kenner unter uns, ist nicht alles. Und so sollte ich ein letztes Mal die unbarmherzige Natur Bulgariens zu sp\u00fcren bekommen. Der Campingplatz in Sinemorets liegt nur 5 Kilometer von der t\u00fcrkischen Grenze entfernt. Wenn man im Dorf Revozo steht, kann man auf das t\u00fcrkische Dorf Begendik schauen. Wundersch\u00f6ne Str\u00e4nde h\u00fcben wie dr\u00fcben, das Meer, das seicht gegen die Felsen schl\u00e4gt, entspannte Menschen durch und durch.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch fehlte etwas zum Gl\u00fcck. Eine Sache, die so einfach wie genial ist, eine Kleinigkeit, die zu realisieren doch eigentlich ein Kinderspiel sein sollte: ein Grenz\u00fcbergang. <em>Aber n\u00f6, wenn du in die T\u00fcrkei m\u00f6chtest<\/em>, so sagte mir ein Einheimischer, <em>musst du nach Malko Tarnow fahren<\/em>. Und damit nahm das Elend seinen erneuten Lauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Malko Tarnow ist von Revozo knapp 30 Kilometer Luftlinie entfernt, die einzige Verbindung dorthin ist allerdings nicht direkt, sondern erst muss man bis nach Tsarevo zur\u00fcck, um sich dann noch ein letztes Mal 50 Kilometer durch die Berge zu qu\u00e4len. Uncool Freunde, absolut uncool und somit m\u00f6chte ich hier meine Bereitschaft zum EU-Beitritt der T\u00fcrkei bekunden. Rei\u00dft die Grenzen nieder!<\/p>\n\n\n\n<p>Solange das aber nicht passiert, blieb mir nichts anderes \u00fcbrig als den schweren Weg zu nehmen. Dieser war entlang der K\u00fcste wie am Vortag, unterschied sich ab Tsarevo dann aber dramatisch von allem bekannten. Die Stra\u00dfe war auf einmal n\u00e4mlich \u00fcberhaupt nicht mehr voll und auch \u00fcberhaupt nicht mehr gut. Im Gegenteil, sie wurde sogar richtig gemein. Es gab bei kuscheligen 36 Grad richtig fette Steigungen und wenn es mal ein bisschen bergab ging, hatte der Lochfrass m\u00e4chtig am Asphalt genagt. Wolfgang B\u00fcrgi aus der Calgonwerbung h\u00e4tte wohl gesagt, hier hilft nur noch austauschen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Bulgarien-Stra\u00dfe.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/192.168.252.64\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Bulgarien-Stra\u00dfe-1024x577.jpg\" alt=\"Bulgarien-Stra\u00dfe\" class=\"wp-image-714\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Bulgarien-Feuer-ausfegen.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/192.168.252.64\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Bulgarien-Feuer-ausfegen-1024x577.jpg\" alt=\"Bulgarien-Feuer-ausfegen\" class=\"wp-image-715\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Und dann passierte es: Mitten in einem fiesen Anstieg, der f\u00fcr mich nur durch Schieben zu bew\u00e4ltigen war, griff mich das gemeinste Viech an, dass ich bis dato erlebt hatte und das gleich im Rudel. L\u00e4stige kleine Fliegen, die scheinbar auf irgendwas von oder an mir scharf waren, was ich nicht herausfinden konnte. Davon abgesehen, dass sie scheinbar eine gro\u00dfe Vorliebe f\u00fcr Augen und Ohren hatten, taten sie nix, au\u00dfer summend um mich herumzuschwirren. H\u00f6rt sich nicht so schrecklich an, werdet ihr sagen. Aber jeder kennt das, wenn man schlafen m\u00f6chte und exakt eine M\u00fccke in dem sonst v\u00f6llig ruhigen Raum ist. Das kann einen wahnsinnig machen, zumal die Viecher mich wirklich zu Hunderten umkreisten. F\u00fcr alle, die jetzt nat\u00fcrlich genau zu wissen glauben, woran das lag &#8211; nein! Ich hatte morgens neben einem ausgiebigen Bad im Meer auch vern\u00fcnftig geduscht. Also hatte es nicht am Gestand gelegen. Merkw\u00fcrdigerweise verschwanden die Viecher auf sicheren Abstand, wenn mein Puls unter 130 sank. Daf\u00fcr kamen aber dann die Bremsen. Fazit: War ich zu langsam, wurde ich gestochen, war ich zu schnell so gut das eben beim Bergauf schieben geht) haben mich die kleinen Dinger belagert. Es war unglaublich unangenehm. Nur wenn ich mal wirklich ein paar Meter fahren konnte, wurde ich sie zumindest ein paar Minuten los. Autan, Deo, Pfefferspray &#8211; nix half. Das Zeug lie\u00df die Biester kalt. Sie wollten nur meine Monde sein und mich umkreisen. W\u00e4re nat\u00fcrlich m\u00f6glich, dass ich mein eigenes Magnetfeld erweitert hatte und die tats\u00e4chlich in meiner Umlaufbahn waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ihr wisst, wo es ewig bergauf geht, da kommt auch wieder eine Abfahrt und die war diesmal sogar recht sch\u00f6n. Zwar war die Stra\u00dfe noch nicht wirklich gut, aber daf\u00fcr war die Abfahrt auch nicht so steil. Ich musste also nicht die ganze Zeit bremsen, weil keine Gefahr bestand, nach der n\u00e4chsten Kurve vom Rad zu st\u00fcrzen. Alles gut, bis die von mir viel beschimpfte Natur ein zweites Mal zur\u00fcckschlug. Diesmal in Form von (leider noch) lebenden Schnitzeln. Diese \u00e4u\u00dferst wild aussehenden Kreaturen grasten n\u00e4mlich in aller Seelenruhe mitten in einer Kurve, die links aus Fels und rechts auch aus Fels, nur nach unten gewachsen, und einer Leitplanke mit, ja minimalem Grasbewuchs, bestand. Ich bin also voll in die Bremse gestiegen, habe das Rad auf der Stelle gedreht und mich wieder ein St\u00fcck entfernt. Nee, durch eine Rotte Wildschweine fahre ich jetzt nicht durch, hinter der Kurve, so viel hatte ich bereits gesehen, war es n\u00e4mlich vorbei mit der sch\u00f6nen Abfahrt. Wie schlimm genau wusste ich nicht, aber in jedem Fall ging es danach wieder bergauf. Was jetzt? Bis nach Malko Tarnow waren es nur noch ca. 15 Kilometer und die Gegenrichtung zur n\u00e4chsten menschlichen Siedlung ca. 30, inklusive der bl\u00f6den Fliegen. Autos kamen hier nur sehr sp\u00e4rlich vorbei, es konnte ewig dauern, bis ich mich an eines dranh\u00e4ngen und so die Wildschweinherde durchdringen konnte. Auch von der Gegenrichtung war wenig Hilfe zu erwarten.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Bulgarien-Malko-Tarnow.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/192.168.252.64\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Bulgarien-Malko-Tarnow-1024x577.jpg\" alt=\"Bulgarien-Malko-Tarnow\" class=\"wp-image-713\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ich beschloss das erst einmal einzig sinnvolle zu machen und die Viecher zu fotografieren. Aus sicherer Entfernung versteht sich. Als ich wieder an die Stelle kam, wo ich vorher abrupt gewendet hatte, war von den Biestern aber nichts mehr zu sehen. H\u00e4, spinne ich mehr als sonst? Vielleicht war mir die Hitze zu Kopf gestiegen oder diese Fliegen hatten mich wirklich schon in den Wahnsinn getrieben?<br><br>Nee, sie waren noch da und zwar in gro\u00dfer Zahl. Jetzt aber bereits hinter der Leitplanke im Geb\u00fcsch. Die Sau, die ich vorhin als erstes entdeckt hatte, war jetzt eigentlich in einem Bereich, wo sie mir nicht sonderlich gef\u00e4hrlich werden konnte. Nur die Ferkel veranstalteten einen h\u00f6llischen Krach direkt in der Kurve und immer wenn eines das andere ein bisschen zwickte, wurde Mutter Schwein sehr unruhig.<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich h\u00f6rte ich ein Donnergrollen den Berg herunterkommen. Das konnte nur ein Laster sein. Einer von der richtig gro\u00dfen und schweren, also langsamen Sorte. Optimal zum dranh\u00e4ngen. Ich verzichtete also aufs Foto und rannte zur\u00fcck zum Rad. Und richtig, wenige Sekunden sp\u00e4ter kam zwar kein LKW, daf\u00fcr aber ein alter Lada ohne Auspuff an mir vorbei, dem ich wunderbar durch die fl\u00fcchtende Schweinebande folgen konnte. Danke Armut, ein 1er BMW h\u00e4tte mir sicher keinen (akustisch, visuell und geruchstechnischen) Schutz geboten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Rest war dann ein Klacks. Der letzte Aufstieg war relativ m\u00fchelos und dann ging es bei zunehmend besser werdender Stra\u00dfe sch\u00f6n bergab. In Malko Tarnow fand ich auch ziemlich schnell einen Geldautomaten und ein h\u00fcbsches kleines Hotel, in dem ich erst einmal den gesammelten Angstschwei\u00df und die Fliegenkadaver abduschen konnte. So weit, so gut. Ein w\u00fcrdiger Abschied von einem Land, das mich eine Woche lang zur Wei\u00dfglut bringen wollte. Dachte ich zumindest, aber wie es immer so ist: meistens kommt es anders\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu aber beim n\u00e4chsten Mal mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwein gehabt! 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