{"id":871,"date":"2014-08-18T14:43:03","date_gmt":"2014-08-18T12:43:03","guid":{"rendered":"https:\/\/chriscovery.de\/?p=871"},"modified":"2023-07-10T14:23:14","modified_gmt":"2023-07-10T12:23:14","slug":"etappe-feketic-novi-sad-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/2014\/08\/18\/etappe-feketic-novi-sad-teil-2\/","title":{"rendered":"Etappe Feketi\u0107 -Novi Sad (Teil 2)"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich muss mich an dieser Stelle erst einmal bei den treuesten meiner Leser bedanken und nat\u00fcrlich entschuldigen. Ich wei\u00df, dass es gemein ist, immer auf zuk\u00fcnftige Ereignisse zu verweisen und dann auf den n\u00e4chsten Tag zu vertr\u00f6sten. Aber dieser Abschnitt der Reise war wirklich so spannend, dass ich ihn nicht im 24 Stunden Format abbilden kann. Derzeit bin ich ja auf Urlaub in Sofia, und somit wei\u00df ich auf  wenigstens, dass ihr auch dann noch etwas zu lesen habt, wenn ich bereits lange wieder auf dem Rad sitze. \ud83d\ude42<\/p>\n\n\n\n<p>Wo waren wir also stehen geblieben? Ja richtig, der Naturcampingplatz&#8230;<br>Trotz der vielen Annehmlichkeiten in Serbien gibt es hier ein prim\u00e4res Problem und das ist die Versorgung mit Trinkwasser. Nat\u00fcrlich bekommt man in jedem Laden welches, aber von \u00f6ffentlichen Brunnen wie in \u00d6sterreich, Tschechien oder Ungarn k\u00f6nnen die n\u00f6rdlich wohnenden Serben nur tr\u00e4umen. Trinkwasser aus dem Hahn gibt es hier nicht und es gibt auch keinen, der das empfehlen w\u00fcrde. So erging es mir leider auch auf dem Campingplatz etwas schlecht, denn ich hatte zwar mit einem recht einsam gelegenen Platz gerechnet, aber nat\u00fcrlich nicht daran gedacht, mich ausreichend mit Wasser zu bevorraten. In Novi Sad war ich noch im Besitz von knapp 2 Litern, aber die ziemlich anstrengende abschlie\u00dfenden Bergettape sowie Temperaturen von weiterhin 30 Grad lie\u00dfen diesen Vorrat schnell schrumpfen. Zu allem Ungl\u00fcck lag der Campingplatz zwar wundersch\u00f6n abgeschieden mitten in einem Naturschutzgebiet, aber der letzte Laden war gef\u00fchlte 15 Kilometer entfernt. Und noch einmal bergab und anschlie\u00dfend wieder hinauf, nein. Auf keinen Fall. Die Betreibern des Platzes konnte mir aber weiterhelfen. Als sie zum kassieren kam, verwies sie mich auf die Rezeption und sagte, dort w\u00e4re Wasser zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>War es auch, und zwar in folgender Form:<br>An der Rezeption stand ihr Mann&#8230; dieser sprach ein paar Brocken Englisch und verstand, dass ich Wasser ben\u00f6tigte. Mitkommen! deutete er mir. Also gingen wir ein paar Meter zu einem kleinen Bach. Nee, Bachwasser wollte ich eigentlich nicht. Meinte der Mann auch nicht. Er erz\u00e4hlte mir aber, dass hier \u00fcberall solche tollen Bergb\u00e4che flie\u00dfen und ihm dieser Landstrich richtig gut gef\u00e4llt. Wo er Recht hat, hat er Recht. Sch\u00f6n ist es hier wirklich, l\u00f6st aber nicht mein Wasserproblem. Richtig &#8211; mitkommen! Der n\u00e4chste Stopp war an einem dornigen Baum. Ja, das hatte ich unl\u00e4ngst mal gelesen. Es gibt B\u00e4ume, die einen betr\u00e4chtlichen Wasservorrat beherbergen. Aber mit meinem Blick auf meine leere Wasserflasche gab ich ihm zu verstehen, dass ich nicht MacGyver bin. Er guckte mich verst\u00e4ndnislos an, nein, das meine er nicht! Das w\u00e4ren die B\u00e4ume, aus denen der Dornenkranz Jesus gefertigt wurde. Hier in Serbien&#8230; nun gut. Davon habe ich keine Ahnung. Aber er zog schon wieder an mir. Pl\u00f6tzlich kamen wir an ein Haus, von dem man durchaus sagen darf, dass es eine Villa in allerbester (Moment Naturschutzgebiet?!?) Lage war. SEIN Haus wie er mir zu verstehen gab. Dann schloss er SEIN Auto auf und holte aus SEINER Weste SEINEN Haust\u00fcrschl\u00fcssel. Jetzt fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Er war der Parkranger hier und das war nicht sein Wohnhaus, sondern sein Hauptquartier. Er guckte mich mit einem <em>Hab-ich-dir-doch-die-ganze-Zeit-gesagt<\/em> Blick an und bat mich einzutreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Irritierend ist, dass zu seinem Outfit nicht nur eine gr\u00fcne Weste und ein gar g\u00fcldenes Abzeichen mit der Nummer 0021 geh\u00f6rten, sondern auch gleich noch eine Handfeuerwaffe, um die Anliegen des Forstbeamten notfalls mit entsprechendem Nachdruck durchzusetzen. Aber der Kerl war eine Seele von Mensch und wies mich sogleich ein. Er h\u00e4tte einen ganz wunderbaren Wein aus der, wie er es meinte <em>Wein Universit\u00e4t<\/em>. Ich m\u00fcsse nur noch die Farbe ausw\u00e4hlen. Okay, gestern bei Micha fantastischen schweizer-ungarischen Wein, heute eben Versuchskaninchen einer Wein-Universit\u00e4t&#8230; Nun ist es ja eigentlich auch egal.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch dieses Gebr\u00e4u entt\u00e4uschte nicht. Der zweite Abend in Serbien und schon sa\u00df ich wieder bei einem wildfremden Menschen und soff. Dann kam seine Frau dazu und ich war mir sicher, der Spa\u00df war jetzt vorbei. Was mir auch nicht unrecht gewesen w\u00e4re, noch einen weiteren Abend versacken, das ging nun wirklich nicht. Pustekuchen, sie schimpfte zwar mit dem Bewaffneten, aber nur, weil man ja schlie\u00dflich nicht Wein s\u00e4uft, ohne etwas von dieser leckere Pastete hier anzubieten. BANAUSE! So, und jetzt bekommt der nicht ganz frisch riechende Radfahrer zur Strafe auch noch einen Teil deiner H\u00fchnersuppe. Das soll dir eine Lehre sein.- Quatsch, die h\u00e4tte ich ihm eh angeboten.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich eine gleichfalls etwas peinliche wie belustigende Situation. So gab es ein absolut k\u00f6stliches unerwartetes Abendessen, herrlichen Wein und ein tolles, durch einen kleinen Schwipps gen\u00e4hrtes dreisprachiges Gespr\u00e4ch, bei dem es f\u00fcr mich wieder viel zu lernen gab. Seine Frau, so erkl\u00e4rte mir der Ranger, ist n\u00e4mlich geb\u00fcrtige Kroatin, musste aber auf Grund ihrer christlich-orthodoxen Religionszugeh\u00f6rigkeit nach Serbien auswandern. Sehr spannend, der gleiche Gott, die gleiche Story und trotzdem null Akzeptanz. Da die beiden aber richtig gut zusammenpassten, war mir das sogar mal richtig Recht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer hier die Hosen anhatte, war dennoch recht schnell klar. Denn mit Einbruch der D\u00e4mmerung befahl sie ihrem Mann zum Aufbruch. Der lie\u00df es zwar langsam angehen, folgte aber. Nicht ohne mir jedoch noch ein kleines Fl\u00e4schchen des Vinos abzuf\u00fcllen, das mir ganz offensichtlich als Abendumtrunk dienen sollte. So zog ich angetrunken und wirklich gut gen\u00e4hrt meines Weges, bis mich die Chefin pl\u00f6tzlich zur\u00fcckpfiff. Aber nicht weil sie abkassieren wollte, ich Trottel hatte einfach den Grund meines Besuches vergessen&#8230; n\u00e4mlich das Trinkwasser!<\/p>\n\n\n\n<p>Aber meine leere Flasche behielt sie ein und dr\u00fcckte mir eine volle 10 Literflasche in die Hand. Diese sollte ich mit den anderen Campern teilen. Da ich aber das Wasser eigentlich zum Nudeln kochen wollte, gab ich meine gesamte Flasche administrativ an ein \u00f6sterreichisches Paar ab, die leider nicht in den Genuss dieser herrlichen Abendgesellschaft gekommen waren. Diese luden mich daf\u00fcr auch gleich zu einem Rotwein ab und vers\u00fc\u00dften mir mit einem spannenden religionslastigen Philosophiegespr\u00e4ch die H\u00e4lfte der Nacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer wunderbarer Tag in Serbien, nur wenn ich nicht langsam aufpasse, ende ich hier als \u00fcberfressener Alkoholiker&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Morgen geht es dann endlich weiter bis fast nach Belgrad, einer \u00fcberraschenden Besuchsank\u00fcndigung und davon, das so manche Stra\u00dfe doch nicht zum Radfahren geeignet scheint\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich muss mich an dieser Stelle erst einmal bei den treuesten meiner Leser bedanken und nat\u00fcrlich entschuldigen. Ich wei\u00df, dass es gemein ist, immer auf zuk\u00fcnftige Ereignisse zu verweisen und dann auf den n\u00e4chsten Tag zu vertr\u00f6sten. 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