{"id":858,"date":"2014-08-14T21:40:22","date_gmt":"2014-08-14T19:40:22","guid":{"rendered":"https:\/\/chriscovery.de\/?p=858"},"modified":"2023-07-10T13:52:32","modified_gmt":"2023-07-10T11:52:32","slug":"route-csatalja-serbien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/2014\/08\/14\/route-csatalja-serbien\/","title":{"rendered":"Route Cs\u00e1talja &#8211; Feketi\u0107 (Serbien)"},"content":{"rendered":"\n<p>Der aufregendste und zugleich spannendste Aspekt meiner Reise ist, dass ich zwar im Vorfeld immer so ungef\u00e4hr die Strecke plane, aber doch morgens nie so richtig wei\u00df, wohin es mich abends verschl\u00e4gt. Grunds\u00e4tzlich war die heutige Strecke klar. Es sollte vom ungarischen Cs\u00e1talja in die N\u00e4he der serbischen Stadt Novi Sad gehen, weil dort laut meiner App ein Campingplatz zu finden w\u00e4re. Ein sehr wagemutiges Ziel, war die Strecke doch \u00fcber einhundert Kilometer lang und das bei Temperaturen von weit \u00fcber 30 Grad im Schatten. Hinzu kam, dass ich es in letzter Zeit nach Ruhetagen in einem richtigen Bett, immer wieder mit R\u00fcckenschmerzen zu tun bekomme, wenn ich ins Zelt krieche. Liegt aber weniger am Bett, sondern wahrscheinlich mehr daran, dass ich dann sehr viel sitze und schreibe. Und so erging es mir an diesem Sonntag nicht besser. Nichts, was mich grunds\u00e4tzlich vom Fahren abhalten w\u00fcrde, verschwinden diese Problemchen doch h\u00e4ufig nach den ersten Kilometern. Aber alle diese Unwegsamkeiten &#8211; langer Weg, Hitze, R\u00fccken &#8211; lie\u00dfen das Etappenziel sehr ehrgeizig erscheinen. Aber  watt mutt, datt mutt und wer wei\u00df, wie es mir nach einem weiteren Tag Pause ergehen w\u00fcrde. Also Taschen gepackt und auf Richtung Serbien.<br>Denn so sch\u00f6n, wie es in Ungarn auch ist, ich bin ja schlie\u00dflich nicht hier, um wundersch\u00f6ne Urlaubsdomizile ausfindig zu machen, sondern um meine Neugier nach dem gro\u00dfen Unbekanntem zu befriedigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wo k\u00f6nnte das besser gelingen, als in einem Land, welches niemand so richtig auf dem Schirm hat? Als klassisches Urlaubsland gilt Serbien ja in unseren Gefilden nun wirklich nicht. Warum das so ist, das galt es herauszufinden. Und so startete ich mich mit einer gro\u00dfen Portion Neugier &#8211; und das will ich nicht verhehlen, mit einer kleinen Portion Angst. Ein gro\u00dfer Spa\u00df war, ich verlie\u00df heute das erste Mal in meinem Leben die europ\u00e4ische Union und durfte meinen bis dato unangetasteten Reisepass benutzen. Nicht, dass man den wirklich braucht. Ein Personalausweis reicht an der ungarisch-serbischen Grenze v\u00f6llig, aber ich bestand auf meinen Stempel! Es gibt doch teilweise sehr merkw\u00fcrdige Motivationen, oder? Aber was f\u00fcr einige von euch ein alter Hut sein d\u00fcrfte, war f\u00fcr mich eben Neuland, welches es zu erforschen galt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem ich mich nochmals vollst\u00e4ndig mit Wasser und Lebensmitteln eingedeckt und einen letzten medialen Gru\u00df in die Heimat versandt hatte (ich wusste ja weder, wie die Grundversorgung, noch die Internetverbindung in Serbien klappt), nahm ich also die letzten Kilometer zur Grenze in Angriff. Und pl\u00f6tzlich\u2026 bis auf dem Stempel nix Neues. Kleine L\u00e4den, Wegweiser und sogar offentliches Internet. Nanu, sollte ich mich doch get\u00e4uscht haben? Serbien, das kleine, krisengesch\u00fcttelte und r\u00fcckst\u00e4ndige Land, nun doch ganz anders als erwartet? &#8211; Aber da! Zum Gl\u00fcck kam mir das erste Mal auf der Tour endlich ein Bauer mit Pferdegespann entgegen. Wusste ich es doch, die sind so arm, die k\u00f6nnen sich wenn \u00fcberhaupt nur klitzekleine und absolut alte Autos leisten. Der Bauer grinste mich gleich an, auch dieses Vorurteil, dass der Serbe ein sehr freundlicher und aufgeschlossener Mensch ist, schien sich zu bewahrheiten, dr\u00fcckte auf einen Knopf und eine Hupe ert\u00f6nte, die wohl einige Kreuzfahrtschiffe h\u00e4tte vor Neid erblassen lassen. Das Pferd nahm es gelassen, der Alte macht das wohl \u00f6fter. Dann kamen mir einige wenige Autos entgegen, die aber leider meinen Vorurteil auch nicht gerecht wurden. Vielleicht ein etwas h\u00f6heres Durchschnittsalter als bei uns, aber keineswegs in mieserablem Zustand. Aber aus jedem zweiten Auto wurde gegr\u00fc\u00dft und gewunken, so dass ich schnell den Eindruck bekam, irgendwie sitzt den Menschen hier der Schalk im Nacken. Offensichtlich sollte mein einziges Problem hier wieder einmal die Sprache sein. <\/p>\n\n\n\n<p>So wunderte ich mich nicht schlecht, als nur wenige Kilometer hinter der Grenze ein Auto dicht neben mir herfuhr und der Fahrer irgendetwas zu mir r\u00fcber brabelte. Mit so doofen Kommentaren im Kopf wie, <em>Fahr doch vorbei, du Bl\u00f6dmann<\/em> oder <em>Es ist doch genug Platz f\u00fcr uns beide da<\/em>, wollte ich mich schon meines Verfolgers entledigen, als ich pl\u00f6tzlich irgendwas wie  <em>Bist du Deutscher?<\/em> h\u00f6rte. Da ich aber keinen Schimmer von der serbische Aussprache hatte, war ich mir nat\u00fcrlich nicht sicher. Also tat ich das, was in diesem Fall meine absolute Geheimwaffe ist, ich guckte bl\u00f6d und sagte ja. Da man ja beim bl\u00f6d Gucken auch Zeit zum gucken hat, erkannte ich, dass es sich um einen vollbeladenen Opel Kadett mit Mann, Frau, zwei Kindern und einer Waschmaschine handelte. Der Mann schaute erfreut und quasselte mich auch gleich weiter in dieser merkw\u00fcrdig vertrauten serbischen Sprache voll. Nee, Moment, das war nicht serbisch, dass war Deutsch! Ein leicht bayrischer Dialekt, aber eindeutig deutsch. Ich hielt an und auch der Wagen neben mir kam zum stehen. Der Kerl stieg aus, stellte sich als Micha aus M\u00fcnchen vor und erz\u00e4hlte gleich frei von der Leber weg, er sei auf dem Weg zu seiner Schwiegermutter, die heute Geburtstag h\u00e4tte. <em>Und wo kommst Du her? Berlin? Mit dem Rad? Cool. Wo schl\u00e4fst Du heute? Campingplatz vor Novi-Sad? Gibt es nicht! Pass auf, du schl\u00e4fst heute bei mir! Du f\u00e4hrst jetzt diese Stra\u00dfe weiter bis Kulla &#8211; so 30 Kilometer und um halb 3 treffen wir uns da am Busbahnhof. Ich hole dich da ab! Widerrede, \u00e4ngstliches Gucken\u2026 Ignoriere ich! Wir Deutschen m\u00fcssen im Ausland zusammenhalten und ganz besonders in Serbien!!! So, los jetzt, ist noch ein ganz sch\u00f6nes St\u00fcck und du hast nur 2,5 Stunden<\/em>.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich war nicht in diesem Moment nicht in der Lage abzulehnen. Micha zog ab, ich fuhr auch wieder los und ein Haufen von Ausreden schossen mir durch den Kopf, warum das ganz bestimmt nicht gehe, dass ich bei wildfremden Menschen in Serbien \u00fcbernachte! Nein, das geht ganz und gar nicht! Ich kenne den doch nicht und Gastfreundlichkeit in allen Ehren, aber der kennt mich doch auch nicht.<br>Kaum 3 Kilometer weiter, ich noch tief in Gedanken, wieder der Kadett und Micha, der mir wie bei der Tour de France Wasser reichen wollte. Davon hatte ich genug, aber jetzt w\u00e4re der richtige Zeitpunkt um das tolle Angebot auszuschlagen&#8230; <em>Denk dran halb 3, Kulla am Busbahnhof<\/em>! Und weg war er wieder. Mensch, wir sollten reden! Dann das n\u00e4chste Dorf, Micha am Stra\u00dfenrand: <em>So, jetzt ist es nicht mehr so weit. Da vorne nach rechts abbiegen, \u00fcber die Ampel und dann immer der Hauptstra\u00dfe folgen.<\/em> &#8211; <em>Aber Micha, das macht doch Umst\u00e4nde, ich will keine Umst\u00e4nde machen! &#8211; Was f\u00fcr Umst\u00e4nde? Ich hab mehr als genug Platz, wenn das mal in M\u00fcnchen so w\u00e4re. Kein Problem, meine Schwiegereltern freuen sich total \u00fcber Besuch und vor allem, wir Deutschen m\u00fcssen zusammenhalten, gerade in Serbien! So weiter<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Okay, genau wegen solcher Dinge bin ich ja eigentlich auch unterwegs. Ich beschloss, Michas nachdr\u00fccklicher Einladung zu folgen. Abhauen konnte ich ja zur Not immer noch.<br>Wie bereits in \u00d6sterreich und Ungarn, werden auch in Serbien Entfernungsangaben eher wage ausgedr\u00fcckt. Aus 30 Kilometern wurden 45 bis Kulla und ab hier w\u00e4ren es auch nochmal locker 50 Kilometer bis Novi-Sad gewesen. Campingpl\u00e4tze in Serbien sind sehr \u00fcberschaubar vertreten und somit war ich kurz vor Kulla dann doch froh \u00fcber die Einladung. Die Sonne brannte unerbitterlich und ich war schon sehr zufrieden, als ich an der Hauptstra\u00dfe endlich Micha entdeckte.\u00a0<em>Na, da bist Du ja<\/em>, meinte der offensichtlich ernsthaft erfreut und somit waren alle Restzweifel komplett erloschen. &#8211; Heute Nacht also in einem serbischen Dorf, bei wildfremden Menschen schlafen&#8230; Ich mach das einfach. Die werden mich schon nicht fressen&#8230; oder doch?<\/p>\n\n\n\n<p>So ihr Lieben, bevor Jule wieder schimpft, dass es zu viel zum lesen wird, vertr\u00f6ste ich euch mit dem Rest der Geschichte auf morgen. Nur so viel sei verraten, gefressen hat mich keiner&#8230; aber es war der aufregendste Abend der gesamten Reise<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Thema Fotos:<br>Die Fotos von der Grenze habt ihr bereits gesehen. Die Landschaft in Nordserbien ist landwirtschaftsgepr\u00e4gt und eher langweilig. Fotos gibt es daher leider keine. Und auch von Michas Dorf habe ich aus Gr\u00fcnden der Privatsph\u00e4re der hier wohnenden Menschen keine gemacht. Aber ich versuche euch das m\u00f6glichst authentisch zu beschreiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der aufregendste und zugleich spannendste Aspekt meiner Reise ist, dass ich zwar im Vorfeld immer so ungef\u00e4hr die Strecke plane, aber doch morgens nie so richtig wei\u00df, wohin es mich abends verschl\u00e4gt. Grunds\u00e4tzlich war die heutige Strecke klar. Es sollte vom ungarischen Cs\u00e1talja in die N\u00e4he der serbischen Stadt Novi Sad gehen, weil dort laut &#8230; <span class=\"more\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/2014\/08\/14\/route-csatalja-serbien\/\">Klickst Du hier<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":849,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1,10,12,17],"tags":[],"class_list":{"0":"entry","1":"post","2":"publish","3":"author-christian","4":"post-858","6":"format-standard","7":"has-post-thumbnail","8":"category-allgemein","9":"category-land-leute","10":"category-route","11":"category-serbien"},"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3564-scaled.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/858","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=858"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/858\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1003,"href":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/858\/revisions\/1003"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/849"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=858"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=858"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=858"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}