{"id":776,"date":"2014-08-04T20:55:04","date_gmt":"2014-08-04T18:55:04","guid":{"rendered":"https:\/\/chriscovery.de\/?p=776"},"modified":"2023-07-10T12:52:28","modified_gmt":"2023-07-10T10:52:28","slug":"etappe-komarom-estzergom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/2014\/08\/04\/etappe-komarom-estzergom\/","title":{"rendered":"Etappe Kom\u00e1rom &#8211; Estzergom"},"content":{"rendered":"\n<p>Als ich an diesem Morgen aus dem Zelt kroch, lag Katerstimmung in der Luft. Genau wie zu Hause erledigte der weibliche Teil der Hochzeitsgesellschaft nach h\u00f6chstens 4 Stunden Schlaf zwar schon die Aufr\u00e4umarbeiten, aber von den harten Kerlen der vergangenen Nacht war h\u00f6chstens mal ein, von der Frau aus dem Bett geschliffenes, zerknautschtes Gesicht zu sehen. So wohl f\u00fchlten sie sich scheinbar nicht &#8211; und schon gar nicht in Anbetracht der Tatsache, dass die Party heute Abend in die n\u00e4chste Runde gehen sollte. Da ich hingegen gar keine Probleme mit dem Aufstehen hatte, am\u00fcsierte mich der Anblick eigentlich mehr und ich begann mein Zelt abzubauen. Ein gr\u00f6\u00dferes Highlight als das Gestrige konnte es heute Abend kaum werden und so beschloss ich, hier keinen Ruhetag einzulegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein kurzer Plausch mit meinem deutschen Nachbarn brachte mir noch die Erkenntnis, dass der Donauradweg f\u00fcr diese Etappe auf der slowakischen Seite sch\u00f6ner sein soll und so beschloss ich, noch einmal f\u00fcr diesen Tag in die Slowakei zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"578\" data-id=\"836\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3381-1024x578.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-836\" srcset=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3381-1024x578.jpg 1024w, https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3381-300x169.jpg 300w, https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3381-768x433.jpg 768w, https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3381-1536x866.jpg 1536w, https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3381-2048x1155.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"578\" data-id=\"837\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3384-1024x578.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-837\" srcset=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3384-1024x578.jpg 1024w, https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3384-300x169.jpg 300w, https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3384-768x433.jpg 768w, https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3384-1536x866.jpg 1536w, https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3384-2048x1155.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"578\" data-id=\"839\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3391-1024x578.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-839\" srcset=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3391-1024x578.jpg 1024w, https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3391-300x169.jpg 300w, https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3391-768x433.jpg 768w, https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3391-1536x866.jpg 1536w, https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3391-2048x1155.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"578\" data-id=\"841\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3395-1024x578.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-841\" srcset=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3395-1024x578.jpg 1024w, https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3395-300x169.jpg 300w, https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3395-768x433.jpg 768w, https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3395-1536x866.jpg 1536w, https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3395-2048x1155.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"578\" data-id=\"842\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3393-1024x578.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-842\" srcset=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3393-1024x578.jpg 1024w, https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3393-300x169.jpg 300w, https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3393-768x433.jpg 768w, https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3393-1536x866.jpg 1536w, https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/100_3393-2048x1155.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p>Hier verl\u00e4uft der Radweg vorwiegend auf dem Deich und ist, trotz des teils ziemlich anstrengenden Untergrundes, viel angenehmer zu fahren als auf der ungarischen Seite. Zu sehen gibt es bis auf die Donau allerdings auch nicht viel und stellenweise ist es mit der Beschilderung hier so eine Sache. Was die \u00d6sterreicher und die Ungarn ganz hervorragen gel\u00f6st haben, ist bei den Tschechen und den Slowaken noch nicht ganz ausgereift. Oftmals sind die Radwegbezeichnungen nur auf die B\u00e4ume gepinselt und im Vorbeifahren leicht zu \u00fcbersehen. Da er haupts\u00e4chlich an der Donau entlang geht, ist er nicht so schwer wiederzufinden. Nur kurz vor meinem Etappenziel Esztergom zweigt er vom Damm in eine kleine Stadt ab. Diese Abzweigung habe ich nat\u00fcrlich prompt verpasst. So stand ich pl\u00f6tzlich vor einem gro\u00dfen Schild, das mir die Weiterfahrt strikt untersagte. Nun war ich bis heute noch nicht aus dem Schema <em>vorw\u00e4rts immer, r\u00fcckw\u00e4rts nimmer<\/em> ausgebrochen. Da das Schild in einem 45 Grad Winkel zum Weg stand und auf einen hohen Wall zeigte, beeindruckte mich das erst einmal nicht. Denn wenn man das Schild und die Schranke \u00fcber den Weg au\u00dfer Acht lie\u00df, ging die Stra\u00dfe ja praktisch noch weiter. Zumindest augenscheinlich. Also \u00fcberlegte ich mir, wenn du einfach an diesem Wall unten entlang f\u00e4hrst, wirst Du schon irgendwann in die Zivilisation zur\u00fcckfinden. Ebenfalls wurde der Weg direkt hinter der Schranke wesentlich besser, und ich beschloss das als Zeichen f\u00fcr eine Weiterfahrt zu sehen. Weit konnte es jetzt eh nicht mehr sein, es war noch relativ fr\u00fch &#8211; was hatte ich also zu verlieren?<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht sollte man aber manchmal doch auf die Schilder h\u00f6ren. Irgendein schlauer Mensch wird sich schon etwas bei ihnen gedacht haben&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Also, dieser Wall geh\u00f6rte zu einem Industriekomplex und der hatte einen direkten Donauzugang und deshalb konnte man sich auch nicht daran vorbei schleichen. Aber immerhin ging er noch 3 Kilometer, so dass ich, um meinen Fehler ausgleichen zu k\u00f6nnen, nur mit 6 zus\u00e4tzlichen Kilometern bestraft wurde. Das bl\u00f6de war nur, dass die verpasste Abzweigung ca. 4 Kilometer vor dem abgesperrten Gel\u00e4nde war. Und nein! 14 Kilometer Umweg, darauf hatte ich nun wirklich keinen Bock. Also schlug ich mich kurz hinter der Umz\u00e4unung \u00fcber Landwirtschaftswege durch.<\/p>\n\n\n\n<p>Was gut f\u00fcr Traktoren sein sollte, erwies sich aber als ziemlich gemein f\u00fcr mich. Wer einmal zu Ostzeiten auf der Autobahn gefahren ist, kann sich ungef\u00e4hr vorstellen, wie sich solche Wege aus unterschiedlich hohen, 75 cm breiten Betonplatten fahren. Mit einem komplett ungefederten Rad &#8211; ziemlich schwierig. Aber daf\u00fcr standen an diesen Wegen \u00fcberall B\u00e4ume mit den herrlichsten Fr\u00fcchten! Nur traute ich mich keine zu essen, weil gleich nebenan dieses Industriedingens stand und ich mir absolut nicht sicher war, ob es vielleicht nicht auch ein Atomkraftwerk mit nur 130 Zwischenf\u00e4llen diese Woche war. Gibt es in der Slowakei \u00fcberhaupt Atomkraftwerke?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wusste es nicht und deshalb gab es eben auch keinen Snack zwischendurch, sondern mein inzwischen knurrender Magen musste sich halt bis zur n\u00e4chsten Tankstelle gedulden. Diese fand ich auch recht schnell in \u0160t\u00farovo, der slowakischen Schwesterstadt meines heutigen Etappenziels. Wohl gen\u00e4hrt ging es dann auf den letzten Abschnitt der Stecke.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich von der Tankstelle in die Stadt herunterfuhr, traf mich der Anblick auf Esztergom wie ein Blitz. Aus noch mindestens 7 Kilometern Entfernung ragte \u00fcber der Stadt eine Kathedrale heraus, doch es machte den Anschein, als st\u00fcnde ich direkt davor. Einzig die kleinen Punkte am unteren Ende der Stra\u00dfe, die wohl Autos darstellen sollten, verliehen mir eine ungef\u00e4hre Vorstellung \u00fcber die riesige Distanz und damit die gewaltigen Ausma\u00dfe des Prachtbaues. Das Ding war gigantisch und die darunterliegende Festungsanlage machte das Bild perfekt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Sankt-Adalbert-Kathedrale-Esztergom.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Sankt-Adalbert-Kathedrale-Esztergom.jpg\" alt=\"Sankt-Adalbert-Kathedrale (Esztergom)\" class=\"wp-image-451\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Esztergom war irgendwann vor langer Zeit mal der ungarische K\u00f6nigssitz und dies hier war der K\u00f6nigspalast. Erst mit dem Einfall der T\u00fcrken zog sich der K\u00f6nig nach Budapest zur\u00fcck und der ans\u00e4ssige Erzbischof riss sich das Ding unter den Nagel. Seitdem haben viele Generationen von hohen Gl\u00e4ubigen das Bauwerk immer wieder erweitert und somit ist es auch bis heute noch das Erzbischoftum dieser Region.<\/p>\n\n\n\n<p>Na, wer kann, der kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Direkt an der Donau gelegen, fand ich dann noch einen tollen, gem\u00fctlichen Campingplatz mit (leider wieder einmal) zu viel Platz f\u00fcr mich allein. Aber trotzdem, ein Wahnsinnsausblick, einen sch\u00f6nen Platz und ein tolles Restaurant an der Einfahrt&#8230; konnte der Abend noch besser werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Konnte er. Denn unter den sp\u00e4rlichen G\u00e4sten war Glenn. Dieser lud mich (nachdem ich leider schon das eine oder andere Bier zum Abendessen hatte), zu einem Rum\/Cola ein. Dabei kam heraus, dass er mit seinem kleinen Peugeot von Frankreich aus auf Tour ist. Er selbst ist Amerikaner, lebt aber in Frankreich und unterrichtet dort Englisch. Er muss ein toller Lehrer sein, denn an diesem Abend konnte ich mein Sprachwissen trotz des Alkohols gut erweitern. Danke Glenn, sowohl f\u00fcr den Unterricht, als auch f\u00fcr die Longdrinks.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war ein sehr spannender und unterhaltsamer Abend, der mir unter anderem die Information brachte, dass die Slowakei durchaus Atomkraftwerke hat&#8230; Und eines sollte auch gar nicht so weit weg von hier sein. \ud83d\ude42 Vielleicht war unter meinen ganzen bl\u00f6den Ideen tats\u00e4chlich mal wieder eine ganz gut gewesen. Und w\u00e4hrend meine Freunde in der fernen Heimat wahrscheinlich gerade die Bars unsicher machten, beendete ich mindestens genauso betrunken, daf\u00fcr aber um viele Erfahrungen und Informationen reicher, den heutigen Abend.<\/p>\n\n\n\n<p>Der n\u00e4chste Tag w\u00fcrde wieder ein Ruhetag werden und somit war es nicht so schlimm, dass ich heute besoffen ins Zelt krabbelte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich an diesem Morgen aus dem Zelt kroch, lag Katerstimmung in der Luft. 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