{"id":73,"date":"2014-07-07T12:35:53","date_gmt":"2014-07-07T10:35:53","guid":{"rendered":"https:\/\/chriscovery.de\/?p=73"},"modified":"2023-03-24T01:44:05","modified_gmt":"2023-03-24T00:44:05","slug":"vorwort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/2014\/07\/07\/vorwort\/","title":{"rendered":"Vorwort"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Um mich selbst zu verstehen, muss ich versuchen zuerst die Welt zu verstehen&#8230; glaub ich jedenfalls.<\/h3>\n\n\n\n<p>Irgendwie ist es schade, dass ich nicht in New York oder Los Angeles lebe. Wann immer man Reportagen von dort sieht, sieht man auch mindestens einen Weltuntergangspropheten. Das w\u00e4re auch ein Job f\u00fcr mich. Einfach ein Schild umgeschnallt, irgendwo an eine belebte Stelle mit viel Publikum gestellt und munter die Apokalypse verk\u00fcndet. Die kommt n\u00e4mlich morgen und wenn nicht, komme ich halt wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider wohne ich derzeit in Wildenbruch, was ein relativ kleiner Ort in der N\u00e4he von Potsdam ist, was wiederum so etwas wie eine Berliner Vorstadt ist. Namhafte Manager, Schauspieler und &#8222;Wer wird Million\u00e4r&#8220;-Moderatoren haben sich hier niedergelassen, weil es einerseits \u00fcber eine super Infrastruktur verf\u00fcgt (immerhin liegen fast 2,5 Flugh\u00e4fen in der N\u00e4he) und andererseits genug M\u00f6glichkeiten zur Einflussnahme abseits der harten Karrierearbeit bietet.<br>Wie dem auch sei, sich ein Schild umzuschnallen und sich auf den Dorfplatz zu stellen, macht in meinen Augen relativ wenig Sinn, es mangelt einfach an qualifiziertem Publikum.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ich aber trotzdem daran glaube, dass diese Welt oder vielmehr diese Gesellschaft gerade ziemlich vor die Hunde geht, muss ich mir also eine andere M\u00f6glichkeit suchen, um zu prophezeien. Da aber jede Theorie grunds\u00e4tzlich von den Berufsskeptikern bezweifelt wird, muss ich diese wohl dummerweise auch noch beweisen. Die beste M\u00f6glichkeit w\u00e4re in den K\u00f6rper von Joseph Ackermann, Angela Merkel oder Thilo Sarrazin zu schl\u00fcpfen, mir das alles eine Weile anzugucken und dann einfach petzen, was ich so den ganzen Tag mache. Allerdings wei\u00df ich zumindest von Frau Merkel, dass sie ihren K\u00f6rper relativ ungern verleiht (wohl aus Angst, dass da jemand petzen k\u00f6nnte) und auch bei meinen beiden anderen Probanden hab ich so meine Zweifel. Somit ist die schnellste M\u00f6glichkeit wohl gestrichen. Dann g\u00e4be es vielleicht noch die Chance, mich in eine Chefetage eines renommierten Unternehmens hochzuarbeiten und dann vielleicht die Missst\u00e4nde bei meinen Kollegen aufzudecken. Dauert allerdings ein bisschen und ich glaube, ich habe weder die Ausdauer, noch die Kaltschn\u00e4uzigkeit und leider auch nicht die ben\u00f6tigte Intelligenz (furchtbares Wort, danke Rechtschreibpr\u00fcfung) daf\u00fcr. Geht also auch nicht. Bleibt also alles doch nur graue Theorie, weil es mir an pers\u00f6nlichen Eigenschaften zum beweisen fehlt?\u00a0Eine zugegeben ziemlich bekloppte M\u00f6glichkeit sehe ich dann doch noch. Und zwar in dem ich ein paar F\u00e4den verspinne &#8211; hier liegt die Betonung tats\u00e4chlich auf spinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor circa einem Jahr habe ich auf meiner Terrasse in meiner frisch sanierten Plattenbauwohnung gesessen und mit einer Freundin via Facebook kommuniziert. Dabei habe ich ihr freudig mitgeteilt, dass ich am Abend vorher in der Stra\u00dfenbahn zu der Erkenntnis gekommen bin, dass ich eigentlich gar nichts kann. Sie hat es aber weniger freudig aufgefasst und versucht, mich zum Weiterleben zu ermuntern. Dabei war ich doch nur von dem befreiten Gef\u00fchl \u00fcberw\u00e4ltigt, und ganz und gar nicht depressiv.\u00a0 Ich habe den Gedanken dann weitergesponnen und bin auf folgende Frage gesto\u00dfen, die sich sicher viele schon einmal gestellt haben:<\/p>\n\n\n\n<p>Wie w\u00e4re es, jetzt noch einmal irgendwas zwischen 15 und 18 Jahren zu sein und mit dem Wissen von heute, aber ohne die heutigen Verpflichtungen noch einmal komplett neu anzufangen? Zum Gl\u00fcck manifestieren sich solche verr\u00fcckten Gedanken in den wenigsten von uns und somit war es nach einmal dar\u00fcber schlafen auch schon wieder vergessen. Vielleicht k\u00f6nnte mir diese Idee aber beim Beweis meiner Gesellschafts-Untergangs-Theorie behilflich sein?\u00a0Da ich mich indirekt schon zum Propheten ausgerufen habe, verf\u00fcge ich in meinen Augen auch \u00fcber die entsprechende Wahnsinnsqualifikation um folgende Idee niederzuschreiben:<\/p>\n\n\n\n<p>Warum sollte ich nicht das Angenehme mit dem Angenehmen und dem Angenehmen verbinden?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Angenehme 1<\/strong>: Ich bin ziemlich neugierig. Was f\u00fcr den einen nach einem guten Zuh\u00f6rer aussieht, f\u00fcr den anderen nach einen miesen Stasispitzel, ist f\u00fcr mich ein Teil meiner Lebensphilosophie. Ich wei\u00df, dass mein eigenes Leben ziemlich unbedeutend ist, und dass nach diesem auch wohl eher wenig kommen wird. Aber ich kenne Menschen, die haben so gute Geschichten zu erz\u00e4hlen, dass es eine Schande w\u00e4re, sie nicht aufzuschreiben. Ich werde also auf den folgenden Seiten immer mal wieder die eine oder andere Geschichte von meiner Meinung nach zu wenig beachteten Normalos einflie\u00dfen lassen.<br>Jedenfalls bin ich so neugierig, dass mir eine gro\u00dfartige Journalistenlaufbahn vorbestimmt war &#8211; wenn ich blo\u00df nicht so Schei\u00dfe in der Schule gewesen w\u00e4re. Tja, selber schuld. Das alles hatte ich ja selbst in der Hand und nun l\u00e4sst sich das ni\u2026 Moment, wie war der Plan? Okay, komme ich sp\u00e4ter drauf zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Angenehme 2:<\/strong> Ich fahre echt gern Fahrrad. H\u00f6rt sich nicht so wichtig an, muss aber an der Stelle mal erw\u00e4hnt werden. Vielleicht komme ich da auch noch drauf zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Angenehme 3:<\/strong> Ist eigentlich eher peinlich als angenehm. L\u00e4sst sich aber angenehmerweise relativ angenehm \u00e4ndern. So richtig weg war ich noch nie. Also einmal mit der Schulklasse in Rimini, dann 15 Jahre sp\u00e4ter noch einmal ein verl\u00e4ngertes Wochenende wegen eines Herzleidens in Portugal und dann wieder 2 Jahre sp\u00e4ter mit dem Portugalgrund f\u00fcr 8 Tage in Irland. Kurz und knapp: So richtig was von der Welt hab ich noch nicht gesehen. K\u00f6nnte man also auch mal machen.<\/p>\n\n\n\n<p>(<em>Der aufmerksame Leser wird sich jetzt vielleicht fragen, was aus meinem Herzleiden geworden ist? Hierzu m\u00f6chte ich noch einmal auf meine Stra\u00dfenbahnerkenntnis verweisen.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Also was machen wir jetzt aus dem ganzen Angenehmen? Ein Superduperangenehmpaket! Und das alles, um eine Theorie zu beweisen. Wie geil ist das denn?\u00a0Somit hei\u00dfe ich Sie, geneigter Leser,<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><em>&#8211; Herzlich Willkommen zur naivsten Europa-Radreise der Welt &#8211;<\/em><\/h4>\n\n\n\n<p>Um das ganz ein bisschen unf\u00f6rmlich zu halten und meinen jugendlichen Trotz zum Ausdruck zu bringen, werde ich Sie ab jetzt duzen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jetzt also zum Plan:<\/strong><br>Die Ausgangsituation ist folgende: Wir sind 15 Jahre alt, haben ziemlich viel Bl\u00f6dsinn im Kopf und das statistische Halbwissen von nicht weniger als &#8222;Allem&#8220;. Cool! Wir hatten zwar rein rechnerisch noch nie Sex, sind aber problemlos in der Lage Kinder aufzuziehen und n\u00f6tigenfalls mit Hilfe von Google und Wikipedia diese auch am offenen Herzen zu operieren &#8211; am Strand der Normandie und unter feindlichem Beschuss wohlgemerkt. Wir haben ein Fahrrad, ein paar Klamotten zum wechseln, viel Wasser und ein Zelt. Das ist so ungef\u00e4hr das, was ein handels\u00fcblicher 15-J\u00e4hriger auch alles haben k\u00f6nnte. Aber vor allem haben wir eines: gro\u00dfe Pl\u00e4ne und Visionen, um die Welt in ihren Grundfesten zu ersch\u00fcttern. Zus\u00e4tzlich glauben wir an nichts, was wir nicht selbst schon einmal kaputt gemacht haben.<br>Da wir aber nur ein Fahrrad besitzen, m\u00fcssen wir uns von ein bisschen Ballast trennen. Das Wissen \u00fcber die klauenden und mordenden Osteurop\u00e4er, sowie das um die faulen und gierigen S\u00fcdeurop\u00e4er m\u00fcssen wir leider hier lassen. Weil a) gibt es bei uns nichts zu klauen und b) interessiert uns Politik kein bisschen. Also ab in den Karton mit den ganzen restlichen \u00fcberfl\u00fcssigem Besitztum und bei Mutti auf dem Stallboden geparkt. Was sollen wir Mark Twains Zitat &#8222;Reisen ist schlecht gegen Vorurteile&#8220; auch erneut lernen? (Das geh\u00f6rt \u00fcbrigens zu dem Mitdrei\u00dfigerwissen, welches\u00a0gern mit darf.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um mich selbst zu verstehen, muss ich versuchen zuerst die Welt zu verstehen&#8230; glaub ich jedenfalls. Irgendwie ist es schade, dass ich nicht in New York oder Los Angeles lebe. Wann immer man Reportagen von dort sieht, sieht man auch mindestens einen Weltuntergangspropheten. Das w\u00e4re auch ein Job f\u00fcr mich. 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