{"id":719,"date":"2014-07-23T21:18:54","date_gmt":"2014-07-23T19:18:54","guid":{"rendered":"https:\/\/chriscovery.de\/?p=719"},"modified":"2023-04-25T22:02:29","modified_gmt":"2023-04-25T20:02:29","slug":"etappe-pruhonice-sec","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/2014\/07\/23\/etappe-pruhonice-sec\/","title":{"rendered":"Etappe Pruhonice &#8211; Sec"},"content":{"rendered":"\n<p><br>Ich verliere gerade v\u00f6llig den \u00dcberblick \u00fcber die Wochentage&#8230; Ich wei\u00df, klingt bl\u00f6de, ist aber so. <br>Die Etappe Prag &#8211; Hevlin hatte es echt in sich. Der bisher anstrengendste, aber ohne Zweifel grandioseste Teil meiner Reise. In den n\u00e4chsten Tagen k\u00f6nnt ihr viel \u00fcber die geografische, aber auch \u00fcber meine pers\u00f6nliche Berg- und Talfahrt lesen. Damit es aber nicht zu viel wird, auch hier wieder in den einzelnen Tagesabschnitten.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Die Routine ist gestorben &#8211; arme Routine. Was sich komisch anh\u00f6rt, ist mir jetzt <em>(leider\/zum Gl\u00fcck)<\/em> passiert. Denn inzwischen gleicht kein Tag mehr dem anderen. Wenn ich morgens aufstehe, wei\u00df ich nie genau wo, ich abends sein werde und mit ein bisschen Distanz betrachtet, ist das ziemlich cool so. Auch wenn es in den letzten Tagen sehr schwierig war eine passende Unterkunft zu finden, hat sich das jedes Mal als Segen erwiesen. <em>(Ihr wisst, dass ich wenig von Religion halte, aber besser kann ich es nicht ausdr\u00fccken.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Meinen Ruhetag hatte ich im Hotel Floret in Pr\u016fhonice. Ein ganz wunderbarer Platz mit einer tollen Aussicht auf ein Schloss. Sehr ruhig (bis auf die Bauarbeiten im Innenhof von 7:30 Uhr bis 17:00 Uhr), sehr ordentlich und mit einem tollen Preis-Leistungsverh\u00e4ltnis. Da es unglaublich warm war, waren die Bauarbeiten nicht wirklich st\u00f6rend, das Fenster muss eh zu bleiben. Von hier aus sollte also meine Tour de Brno starten. Frisch ausgeruht nach dem Ruhetag und einem \u00fcppigen Fr\u00fchst\u00fcck ging es ans packen. Da ich mir am Vortag in einem Einkaufszentrum eine vern\u00fcnftige Stra\u00dfenkarte gekauft hat, ging es diesmal auch mit einer halbwegs vern\u00fcnftigen Route an den Start. Die Strecke sollte mich \u00fcber Ricany, Jevany, Sazava, Kutna Hora, Caslav, Ronov nach Hlinsko f\u00fchren. Nat\u00fcrlich kam es nicht dazu, aber Planung ist erst einmal wichtig f\u00fcr die Eigenmotivation. <br>Also folgte ich diversen Kreisstra\u00dfen zun\u00e4chst bis nach Sazava.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" data-id=\"593\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Sazava_Fluss-280x420-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-593\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" data-id=\"598\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Sazava-280x420-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-598\"\/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p>Ein echt total sch\u00f6nem Ort, der nach dem gleichnamigen Fluss (oder umgekehrt) benannt ist. Was ich zu Beginn der Etappe allerdings nicht so richtig bedacht hatte, war die Tatsache, dass da ein bisschen Gebirge mitten drin liegt. Das verw\u00f6hnte mich zum Anfang noch mit sanften Anstiegen und sch\u00f6nen langen Abfahrten, wo man kaum treten musste. Ab Sazava sollte sich das jedoch \u00e4ndern. Die meisten tschechischen Orte liegen auf dieser Strecke entweder in T\u00e4lern oder auf Bergkuppen. So oder so ist mindestens ein Weg mit einem fetten Anstieg versehen. Manchmal gibt es auch das eine oder andere D\u00f6rfchen, das &#8222;nur&#8220; einfach noch h\u00f6her liegt als das n\u00e4chste.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Ausssicht-680x350-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-176\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Da ich im Vorfeld \u00fcber den Anstieg von 50 oder 100 Metern schon gro\u00dfz\u00fcgig gejammert hatte, wurde ich hier angesichts dieser Kindergartenberge in der Vergangenheit eines Besseren belehrt. Die Dinger hier waren mal amtlich und gingen unheimlich in die Beine. Erschwerend hinzu kam, dass meine Planung tats\u00e4chlich auf gr\u00f6\u00dferen Stra\u00dfen basierte, und die Tschechen, wie schon erw\u00e4hnt, mich schlicht und ergreifend als Hindernis betrachteten. Ich wurde mit \u00fcbel geringem Abstand \u00fcberholt. An Stellen, wo man sich das auf Grund des Gegenverkehrs normalerweise \u00fcberlegen sollte. Aber wie sollte ich auch Verst\u00e4ndnis erwarten, bei dieser gro\u00dfz\u00fcgigen Anzahl der Fahrradwege quer durch das Land. Vielleicht kann ich einfach nur schlecht Karten lesen und der gemeine Autofahrer sah das als Strafe daf\u00fcr an. Zugleich stieg auch mein Wasserverbrauch drastisch, so dass ich inzwischen bei \u00fcber f\u00fcnf Litern am Tag bin. Auf herk\u00f6mmlichem Wege raus kommt allerdings fast kaum etwas. Aber ich schweife ab. So landschaftlich sch\u00f6n es auch war, ich hatte das Ziel Kutna Hora fest vor Augen. Schlie\u00dflich sollte dort der sagenumwobene Fahrradweg von Prag nach Br\u00fcnn zu finden sein. Was total spannend war: in jedem noch so kleinen Nest war eine Bushaltestelle, die auch tats\u00e4chlich bedient wurde. Wenn ich mir die Busfahrzeiten in meinem deutschen D\u00f6rfchen anschaue: was den \u00f6ffentlichen Nahverkehr angeht, leben wir echt hinterm Mond. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/FahrplaninderPamapa-680x350-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-319\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Auf fast 500 Metern H\u00f6he in Kutna Hora angekommen, fand ich tats\u00e4chlich den Radweg mit dem klassischen Namen &#8222;1&#8220;. Klar, wer au\u00dfer mir w\u00e4re nicht auf die Idee gekommen, die beiden gr\u00f6\u00dften St\u00e4dte Prag und Br\u00fcnn mit der wohl wichtigsten Zahl \u00fcberhaupt zu benennen. (<em>1 ist die wichtigste Zahl, auch wenn das B\u00e4nker &#8211; aktueller Leitzins, Liebende 69;  Nazis 88 vielleicht anders sehen sollten. 1 ist wichtiger!<\/em>) Allerdings wies dieser eine derart hohe Kilometeranzahl bis nach Brno auf, dass ich mit meiner Planung \u00fcber die Kreisstra\u00dfen viel g\u00fcnstiger kam. Zumindest rein rechnerisch. Im gro\u00dfen und ganzen hab ich mir dann folgende Theorie zusammengebastelt: Anfang des 15 Jahrhundert mussten die Menschen gro\u00dfe Strecken mit Kutsche, zu Pferde oder eben zu Fu\u00df zur\u00fccklegen. Gro\u00dfe Anstiege waren da einfach schlecht. Denn was einem Mountainbiker sichtliche Freude bereitet, macht mit Gep\u00e4ck weniger Freude. Daher wurden, als die Fahrzeuge leistungsst\u00e4rker wurden, auch neue, k\u00fcrzere Wege mit leider viel schlimmeren Anstiegen gebaut und als Stra\u00dfen bezeichnet. Diese verbanden fortan jedes Dorf mit jeder Stadt und schl\u00e4ngeln sich so gro\u00dfz\u00fcgig quer durch und \u00fcber die Berge. Der Radweg 1 jedoch basiert auf den alten Stra\u00dfen. Zwar ein bisschen l\u00e4nger, aber eben mit schw\u00e4cheren Anstiegen. (Die Profis im tschechischen Radsport m\u00f6gen mich korrigieren oder mir bestenfalls beipflichten.) Ich Bl\u00f6dmann hab mich allerdings wie bei der Schleuse in Usti f\u00fcr den falschen Weg entschieden. Denn wie sich im Nachhinein herausstellte, waren die Kreisstra\u00dfen auf Grund ihrer hohen Stadt\/Dorfabdeckung keinesfalls &#8222;viel&#8220; k\u00fcrzer. Tats\u00e4chlich k\u00fcrzer w\u00e4re es nur \u00fcber die ganz gro\u00dfen Stra\u00dfen (bei uns Bundesstra\u00dfen) gegangen. Aber das ist nun wirklich sicherheitstechnisch keine gute Wahl. Da Autobahnen meist mautpflichtig sind, konzentriert sich hier nat\u00fcrlich ein Gro\u00dfteil der \u00dcberlandfahrten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Nach268HM_2-680x350-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-510\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><br>Jedenfalls qu\u00e4lte ich mich in einen stetigen Rhythmus bergauf bergab, was keinesfalls zu meiner Ermunterung beitrug. Ebenfalls nicht berechnet hatte ich die Tatsache, dass auch hier gerade Ferien waren und daher wurde es mit der D\u00e4mmerung zwar Zeit, mir eine Unterkunft zu suchen, jedoch war das keinesfalls so einfach, wie gedacht. Nur mit viel Not erreichte ich in Sec noch einen Campingplatz, wo zwar niemand mehr an der Rezeption sa\u00df, ich aber im angrenzenden Restaurant um ein Pl\u00e4tzchen f\u00fcr mich und mein Zelt betteln konnte. Der Restaurantbesitzer hingegen war kein Unmensch und sagte, ich solle mein Zelt einfach irgendwo aufstellen und am n\u00e4chsten Morgen zur Rezeption gehen. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: der Campingplatz und das Restaurant liegen zwar dicht beieinander, geh\u00f6ren deswegen aber nicht zusammen. Die junge Frau an der Rezeption war daher am n\u00e4chsten Morgen sehr verwundert, wo ich herkam.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein nachtr\u00e4gliches Ausf\u00fcllen der Formulare (in Tschechien nehmen sie das sehr genau) war dennoch kein Problem und trotzdem ich so au\u00dferplanm\u00e4\u00dfig dort aufgekreuzt war, war es immer noch spottbillig. Gerade mal 133 Kronen (keine f\u00fcnf Euro) hat die ganze Nummer gekostet. Man h\u00e4tte mich deutlich mehr zur Kasse bitten k\u00f6nnen.<br>Aber das spiegelt meinen ersten Eindruck der Tschechen wieder. Sie sind ein grundehrliches V\u00f6lkchen. Ein bisschen reserviert, aber hochanst\u00e4ndig.<br>Was ich allerdings noch dringend erw\u00e4hnen muss, ist die echt wundersch\u00f6ne Gegend rund um Sec. Berge, B\u00e4che und unglaublich viel Wald, gesprenkelt von tollen D\u00f6rfern und h\u00fcbschen kleinen St\u00e4dten. So ungef\u00e4hr stelle ich mir den Schwarzwald vor&#8230;<br>Morgen kommen wir zum besten Teil meiner bisherigen Reise. Der Begegnung mit zwei anderen Reiseradlern, dem ersten Mal Wildcampen und einem Bad im Gebirgsbach&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich verliere gerade v\u00f6llig den \u00dcberblick \u00fcber die Wochentage&#8230; Ich wei\u00df, klingt bl\u00f6de, ist aber so. Die Etappe Prag &#8211; Hevlin hatte es echt in sich. Der bisher anstrengendste, aber ohne Zweifel grandioseste Teil meiner Reise. 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