{"id":704,"date":"2014-07-16T19:19:10","date_gmt":"2014-07-16T17:19:10","guid":{"rendered":"https:\/\/chriscovery.de\/?p=704"},"modified":"2023-03-24T00:54:41","modified_gmt":"2023-03-23T23:54:41","slug":"etappe-decin-nelahozeves","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/2014\/07\/16\/etappe-decin-nelahozeves\/","title":{"rendered":"Etappe D\u011b\u010d\u00edn &#8211; Nelahozeves"},"content":{"rendered":"\n<p>Eines vorweg, heute meckere ich mal nicht \u00fcbers Wetter! Auch ihr sollt ein bisschen Abwechslung haben und deshalb jammere ich heute mal \u00fcber die merkw\u00fcrdige Einstellung der Tschechen zu ihren Radwegen. Dabei bin ich auch hier wieder selber schuld. W\u00e4re ich nicht mit so unglaublich viel Gep\u00e4ck losgeradelt, h\u00e4tte ich wohl alles aufs Mountainbike packen k\u00f6nnen und w\u00e4re damit wohl besser gefahren. Aber sch\u00f6n der Reihe nach. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Tag startete nach einem wunderbaren Fr\u00fchst\u00fcck in meinem Hotel vollkommen zwanglos. Ich konnte in Ruhe das Rad packen und bei bestem Sommerwetter D\u011b\u010d\u00edn verlassen. Da wirklich nur kleine Sch\u00e4fchenwolken \u00fcber den Himmel zogen, hatte ich auch einen wunderbaren Blick auf die bestimmt einst sehr sch\u00f6ne Stadt. Direkt an der Labe gelegen, ist sie mit tollen alten Geb\u00e4uden gespickt und die sie umgebenden Berge machen die Kulisse fast perfekt. Wenn da nicht das \u00fcbliche Problem der Tschechen w\u00e4re, dass sie Baul\u00fccken (bei denen sich fr\u00fchere Architekten bestimmt etwas gedacht hatten) mit bl\u00f6den Planeffizienzkl\u00f6tzen  f\u00fcllen. Also stehen in einem Stra\u00dfenzug mit 300 Jahre alten Holzh\u00e4usern auch gern mal Plattenbauten aus den 80igern. Zudem werden H\u00e4fen nicht wie bei uns etwas au\u00dferhalb angelegt, sondern meist innerst\u00e4dtisch. Was nicht nur die Promenaden versaut, sondern zus\u00e4tzlich auch noch f\u00fcr einen massiven L\u00e4rmpegel in den Innenst\u00e4dten sorgt. Es mag durchaus sein, dass ich da einen etwas einseitigen Blick auf die Sache habe, schlie\u00dflich kenne ich nicht ann\u00e4hernd alle flussnahen tschechischen St\u00e4dte, aber von denen, die ich bisher besucht habe, fiel eigentlich nur Prag aus dem Muster. Aber irgendwie ist das schon ein komisches Bild, wenn ein wundersch\u00f6nes und saniertes altes Gutshaus von h\u00e4sslichen Kr\u00e4nen verdeckt wird.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kraene-680x250-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-485\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sch\u00f6n w\u00e4re es ohne moderne Mamutmaschine<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nun bin ich aber weder St\u00e4dteplaner noch Architekt und sollte mich wohl aus diesen Dingen heraushalten. Tourismus ist f\u00fcr die Tschechen \u00e4hnlich wie bei uns auch erst in den vergangenen zwanzig Jahren ein Begriff geworden. In dieser kurzen Zeit war es sicher auch f\u00fcr die wirklich hart arbeitenden Tschechen unm\u00f6glich, s\u00e4mtliche Baus\u00fcnden des Warschauer Pakts zu beheben. Das ist \u00fcbrigens etwas, was mir ganz besonders ins Auge gestochen ist: die Tschechen ackern wie die Tiere! Jede noch so kleine Baustelle wird selbst an Sonntagen bearbeitet. Die meisten Gesch\u00e4fte haben t\u00e4glich von 6 &#8211; 22 Uhr ge\u00f6ffnet. Dabei geht es \u00fcberall v\u00f6llig unaufgeregt und meiner Meinung nach mit absolutem Sachverstand zu Gange. Klar, Prag ist quirlig, aber daran sind wohl eher die Touris schuld. Die Tschechen machen keinen Stress, au\u00dfer wenn man mit einem vollbepackten Rad eine enge ansteigende Dorfdurchfahrt meistert. Dann spielen sie gern mal mit dem Gas und bekunden so ihre Langweile. An dieser Stelle ein gut gemeinter Hinweis an andere Radreisende: In Tschechien herrscht auf den Stra\u00dfen Krieg. Ob die sonst so ruhigen Tschechen genau hier ihren Frust ablassen, wei\u00df ich nicht, aber nehmt einen Helm mit und benutzt ihn bitte auch! Bei mir ging es gl\u00fccklicherweise unfallfrei weiter nach \u00dast\u00ed nad Labem, einer wohl eher klassischen Industriestadt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" data-id=\"645\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Usti-nad-labem-Seilbahn-280x420-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-645\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" data-id=\"639\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Usti-nad-labem-280x420-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-639\"\/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p>War bis hierher alles noch im Lot, sollte der Radweg jetzt zu einer ernstgemeinten Pr\u00fcfung werden. Den Hinweis im Elberadweghandbuch (Achtung Treppen!) hielt ich in meiner Naivit\u00e4t f\u00fcr ein bisschen schlecht recherchiert und folgte somit der offiziellen Radroute 2 tapfer. Was f\u00fcr ein Hirni sollte an einem vielbefahrenen Reiseradweg denn bittesch\u00f6n Treppen anbringen, ohne f\u00fcr eine sinnvolle Umfahrung zu sorgen? Bestimmt altes Material und die Tschechen haben sich da schon l\u00e4ngst was einfallen lassen. Kurz und knapp: Nein, haben sie nicht! Es gibt zwar eine Umfahrung, die ist aber mit Sicherheit lebensgef\u00e4hrlicher als der Kreislaufkollaps, der einem beim Treppensteigen heimsuchen kann.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"556\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/offizieller-Radweg-150x150-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-556\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"552\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/offizieller-Radweg2-280x420-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-552\"\/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p>An diesem herrlichen Tag fuhren viele Tschechen mit dem Rad. Aber f\u00fcr die meisten sind es kurze Wochenendausfl\u00fcge nach Dresden oder Prag. Dementsprechend haben sie auch l\u00e4ngst nicht so viel Gep\u00e4ck dabei wie ich auf meiner Tour. Eine Treppe mit einem leichtbepackten Rad hochzuschieben ist nat\u00fcrlich eine ganz andere Nummer, als mit 30 Kilo Gep\u00e4ck auf dem Drahtesel. Somit kam ich ziemlich ins schnaufen und ja, teilweise auch ins fluchen. Zumal \u00fcber den &#8222;Betriebsbereich&#8220; der Schleuse eine stufenlose Stra\u00dfe gebaut ist. Aber jede gemeisterte Herausforderung ist eine weitere Erfahrung und somit beschloss ich die Warnhinweise im Handbuch f\u00fcr Elbterroristen zuk\u00fcnftig genauer zu befolgen &#8211; dummerweise erst nach dem \u00fcbern\u00e4chsten&#8230; Denn was mich jetzt erwartete, hatte ich mir in meinen k\u00fchnsten Albtr\u00e4umen nicht vorstellen k\u00f6nnen. Als ob die Treppennummer nicht schon schlimm genug gewesen w\u00e4re, w\u00fcnschte ich mir jetzt erneut mein Mountainbike. Aus dem Radweg wurde ein Singletrail mit allen herrlichen Schikanen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Singletrail-680x350-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-628\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Coole Bergabfahrten, kleine Kletterstrecken, Schlamm und Matsch, Schotterstrecken. So richtig etwas zum einsauen und Spa\u00df haben &#8211; mit einem Mountainbike. Aber des einen Freud ist eben des anderen Leid. F\u00fcr Ente, mein Reiserad und mich war es ein Horrortrip, der auch bis in die n\u00e4chste gr\u00f6\u00dfere Stadt Roudnice nad Labem keine Besserung versprach.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu guter Letzt verabschiedete sich dann auch noch mein Seitenst\u00e4nder, allerdings nicht wie von mir bef\u00fcrchtet auf Grund des hohen Gewichts beim Stehen, sondern wegen der miesen Wege still und heimlich in irgendeinem Schlagloch unterwegs. Als ich ihn auf einer kurzen Rauchpause ausklappen wollte, war da nur noch ein Stummel vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/defekter-Staender-680x350-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-268\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ab da an lief es aber wie ein L\u00e4nderspiel (und zwar das 7:1 gegen Brasilien). Die Route wurde flacher, besser ausgebaut und viel schneller. Und so schaffte ich es in relativ kurzer Zeit in die Stadt, die mich von meiner sechst\u00e4gigen Beziehung zur Elbe entbinden sollte &#8211; M\u011bln\u00edk.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ich an diesem Tag wirklich gut unterwegs war, hielt ich mich auch gar nicht gro\u00dfartig mit Sightseeing auf und bog etwa einen Kilometer vor der Stadt auf den Nationalradweg 7 in Richtung Prag ab. Ein paar Bilder aus der Distanz hab ich geschossen und bin mir sicher, wenn ich irgendwann mal reich bin, werde ich diese Stadt auch n\u00e4her erkunden. Vielleicht an einem Samstag, nachdem ich tags zuvor einen Nachtw\u00e4chterrundgang durch Pirna miterlebt habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab jetzt wurde die Sache auch ein bisschen spa\u00dfiger. Das erste Mal seit Beginn der Tour galt es richtig H\u00f6henmeter auf teils wieder desolaten Radwegen zu schruppen. Inzwischen hatte mir die Sonne auch schon heftig die Schultern verbrannt und mein Wasser ging wieder einmal zur Neige. Es war bereits 19:00 Uhr und ich hatte bis dahin fast 120 Kilometer zur\u00fcckgelegt. Ich machte mich also auf die Suche nach einer Wasserbevorratungsstelle und einer Schlafm\u00f6glichkeit. Beides fand ich in Nelahozeves. Ersteres war eine Tanke und zweites war ein H\u00fcttencamp direkt an der rechten Moldauseite. Und hier muss ich kurz ein Wort zu verlieren: Cool!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Huettencamp-an-der-Moldau-680x350-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-407\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Sehr spartanisch eingerichtet, aber wenigstens gab es eine Dusche und Strom. W\u00e4re auch noch WLAN vorhanden gewesen, w\u00e4re das meine erste Wahl f\u00fcr einen Ruhetag geworden. Ein herrlich lauschiges Pl\u00e4tzchen mit super nettem Personal und das erste tschechische Bier auf der Reise. Allerdings hat mich das auch gleich ziemlich aus den Socken gehauen, was wohl letztendlich an Leistungsmerkmalen der Etappe gelegen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Morgen erz\u00e4hle ich euch dann vom letzten Etappenabschnitt nach Prag, den dortigen Wirrungen und einer &#8222;W\u00e4re ich blo\u00df nicht umgedreht&#8220; &#8211; Geschichte, sowie von einem mal wieder ganz vorz\u00fcglichen Gewitter und einer netten Begegnung mit einem ziemlich neugierigen Tschechen unter einer Br\u00fccke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eines vorweg, heute meckere ich mal nicht \u00fcbers Wetter! Auch ihr sollt ein bisschen Abwechslung haben und deshalb jammere ich heute mal \u00fcber die merkw\u00fcrdige Einstellung der Tschechen zu ihren Radwegen. Dabei bin ich auch hier wieder selber schuld. W\u00e4re ich nicht mit so unglaublich viel Gep\u00e4ck losgeradelt, h\u00e4tte ich wohl alles aufs Mountainbike packen &#8230; <span class=\"more\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/2014\/07\/16\/etappe-decin-nelahozeves\/\">Klickst Du hier<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1,3,5,6,8,12,19],"tags":[],"class_list":{"0":"entry","1":"post","2":"publish","3":"author-christian","4":"post-704","6":"format-standard","7":"category-allgemein","8":"category-andre-radler","9":"category-ausruestung","10":"category-campingplaetze","11":"category-fahrrad","12":"category-route","13":"category-tschechien"},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/704","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=704"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/704\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":741,"href":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/704\/revisions\/741"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=704"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=704"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=704"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}