{"id":701,"date":"2014-07-15T13:28:12","date_gmt":"2014-07-15T11:28:12","guid":{"rendered":"https:\/\/chriscovery.de\/?p=701"},"modified":"2023-03-24T01:09:15","modified_gmt":"2023-03-24T00:09:15","slug":"etappe-dresden-decin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chriscovery.de\/index.php\/2014\/07\/15\/etappe-dresden-decin\/","title":{"rendered":"Etappe Dresden &#8211; D\u011b\u010d\u00edn"},"content":{"rendered":"\n<p>Wie ihr ja sicher mitbekommen habt, kommen die Reiseberichte nicht immer ganz aktuell ins Netz. Das hat einerseits mit meiner Rechtschreibschw\u00e4che zu tun (Jule muss lektorieren), und anderseits ist es im Moment tats\u00e4chlich ziemlich anstrengend. So beschr\u00e4nke ich meine Schreiberei nur auf die Ruhetage. Heute ist wieder einer. Damit aber weder die Seite nicht einschl\u00e4ft oder ihr auf Grund der langen Texte weg d\u00f6st, ver\u00f6ffentlicht Jule nur h\u00e4ppchenweise. Ist aber nicht schlimm, so habe ich wenigstens Gelegenheit noch einmal ein paar Dinge nachtr\u00e4glich zu \u00e4ndern. Es geht mir oftmals so, dass ich die Erlebnisse mit ein bisschen Distanz auch ein bisschen lockerer sehen kann. Sonst w\u00fcrde das hier manchmal in ganz sch\u00f6nes Gejammer ausarten. Jetzt sagt ihr nat\u00fcrlich ganz zu Recht &#8222;Hast es dir doch so ausgesucht&#8220;. Stimmt. Aber daf\u00fcr bekommt ihr alles nur kleckerweise. Trotzdem m\u00f6chte ich mich bei allen Mitreisenden noch einmal f\u00fcr eure lieben und aufmunternden Kommentare bedanken. Ihr glaubt nicht, wie sehr mir das streckenweise weiterhilft. Jule hat \u00fcbrigens vorgeschlagen, dass ich die Sousente mit meinen mangelnden fotografischen Kenntnissen mal vor der einen oder anderen Sehensw\u00fcrdigkeit knipse und wer err\u00e4t, wo sie da gerade steckt, bekommt eine Postkarte von mir. Bl\u00f6dsinn, oder? Wer will schon eine Postkarte mit meiner Sauklaue von irgendwo aus Europa?<\/p>\n\n\n\n<p>So, dann will ich euch mal nicht weiter auf die Folter spannen. Oder wie mein Freund Eric zu sagen pflegt &#8222;Mit dem Stuhl auf den Kopf hauen&#8220;, sondern von den neusten Erlebnissen von Sousente und mir berichten. Sie war diesmal ein bisschen fotoscheu und ich hatte auch wenig Lust zum Landschaft ablichten, deswegen gibt es neue Entenfotos erst mit dem n\u00e4chsten Ruhetag. Tut mir ja ein bisschen leid, seit heute wei\u00df ich ja, ihr wollt eigentlich nur die nackte Ente sehen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Am Donnerstag war ja Ruhetag und da ist auch kaum was Aufregendes passiert. Deshalb \u00fcberspringen wir den mal. Es hat eh nur den halben Tag geschifft und am Abend konnte ich noch ein bisschen nett mit meinem Zeltnachbarn plaudern, der mir dann gleich versichert hat, dass es irgendwann besser werden w\u00fcrde mit dem Regen, und dass es auf meiner Strecke noch den einen oder anderen Abschnitt geben w\u00fcrde, wo ich mich in die regnerische Elbregion zur\u00fcckw\u00fcnschen w\u00fcrde. Ich habe das erst einmal nur trocken bel\u00e4chelt, aber er war da auf jeden Fall erfahrener als ich. Er scheint ein richtiger Ost-Europa Fan zu sein und hat kein schlechtes Haar an der Gastfreundschaft der Albanern, Kroaten, Serben gelassen. Ich bin gespannt. Aber bis dahin ist es ja noch ein weiter Weg und eine gro\u00dfe Klappe sollte ich nach inzwischen 636 zur\u00fcckgelegten Kilometern wohl auch noch nicht haben. Galt es am Freitag doch erst einmal die deutsch-tschechische Grenze zu \u00fcberwinden. Da ich schon einmal an der Elbe war und diese unter dem Pseudonym Labe in Tschechien auch weiterflie\u00dft, schien mir ein Umweg \u00fcber die einschl\u00e4gigen (ehemaligen) Grenz\u00fcberg\u00e4nge \u00fcberfl\u00fcssig. Also folgte ich ihr einfach weiter, nicht aber ohne vorher einen kleinen Abstecher in die wundersch\u00f6ne Stadt Pirna zu t\u00e4tigen. Ich h\u00f6rte n\u00e4mlich seit dem Losfahren ein &#8222;verd\u00e4chtiges Ger\u00e4usch&#8220; (Trommelwirbel w\u00fcrde die Sache noch dramatisieren) im Tretlager. Da es mit meinen Tschechischkenntnissen nicht sonderlich weit her ist, beschloss ich das vorher noch in Deutschland abkl\u00e4ren zu lassen und suchte mir einen Fahrradladen. Kurz gesagt, ich habe Mist gebaut und eigentlich sollte mich die Peinlichkeit meiner Unkenntnis eigentlich zum Stillschweigen verpflichten, aber diesen Fahrradh\u00e4ndler kann ich euch unm\u00f6glich vorenthalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die wenigsten von euch werden jetzt in Pirna mal zum Radh\u00e4ndler m\u00fcssen, aber da trifft es sich gro\u00dfartig, dass der Kerl noch einen anderen Job zu haben scheint. Er ist n\u00e4mlich Pirnas offizieller Nachtw\u00e4chter und bietet dort auch F\u00fchrungen an. Leider ist er wirklich ein Meister seines Faches und deshalb konnte ich nicht bis zum Sonnenuntergang bleiben. Dennoch hat er eindrucksvoll seine Qualit\u00e4ten unter Beweis gestellt. Er pr\u00fcfte mit wachem Auge meine Pedale und das Tretlager \u2013 N\u00f6, da ist alle in Ordnung. Dann schlug er sich aber beide H\u00e4nde ins Gesicht und sagte &#8222;Aber solch eine Kette ist mir seit Jahren nicht mehr untergekommen! Wer hat Sie denn dazu animiert, diese wie ein Schnitzel zu behandeln?&#8220; Er erkl\u00e4rte mir kurz das Wirkprinzip solch einer Kette und da man da wohl nicht ma\u00dflos \u00d6l draufkippen sollte, dr\u00fcckte mir einen Putzlappen in die Hand und schickte mich an die Elbe um das Ding mal gr\u00fcndlich sauber zu machen. Der normale Dienstleister h\u00e4tte zwar nicht mit mir geschimpft, aber er h\u00e4tte wohl das Rad zu einer eingehenden Kontrolle erst einmal ein paar Tage einbehalten, alles gr\u00fcndlich durchgecheckt und mir schlussendlich ein neues Tretlager verkaufen m\u00fcssen. So hat das keinen Cent gekostet und ich war um einiges an Wissen reicher. Ich habe mir einen ruhigen Platz gesucht, das Ding richtig sauber gemacht und siehe da &#8211; er hatte Recht. Alles wieder im Lot. Jetzt habe ich wenigstens wieder ein Ziel f\u00fcrs Leben. Zur\u00fcckkommen und dann nach Pirna fahren, um ihn auch mal als Nachtw\u00e4chter in Aktion zu sehen. Klasse Typ. Aber es half ja nix, der Osten rief.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/nachtwaechtersfahrradstube-pirna-680x350-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-516\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Also rauf aufs Rad und weiter im Text. Auch wenn sie mich erst langweilte, hier kam ich aus dem Staunen \u00fcber dieses wundersch\u00f6ne Elbtal einfach nicht mehr heraus. An so coolen Dingen wie der Bastei oder dem Schloss K\u00f6nigsstein vorbeizufahren, hat schon etwas. Auch wenn ich hier wieder nicht mit tollen Fotos protzen kann, denn die abklingende Wirtschaftskriese verfolgt mich scheinbar und so sind die Bilder vom Schloss K\u00f6nigsstein leider auch nur f\u00fcr Bausachverst\u00e4ndige gut, denn dort wird leider auch gerade saniert. Wenn einer unter euch Lesern diesem Beruf nachgeht: Habe ich nur f\u00fcr dich gemacht!<\/p>\n\n\n\n<p>BILD FEHLT NOCH <\/p>\n\n\n\n<p>Kurz hinter Bad Schandau verabschiedete sich das Wetter dann noch standesgem\u00e4\u00df mit einem herrlichen Gewitterchen, was ich in dieser Intensit\u00e4t noch nie erlebt habe. Binnen k\u00fcrzester Zeit fiel die Temperatur von 28 auf 18 Grad und ich war nass bis auf die Knochen. Das einhergehende Schauspiel der einschlagen Blitze auf den Gipfeln der Berge war etwas, was mir bestimmt noch Jahre in Erinnerung bleiben wird, w\u00e4hrend ich die N\u00e4sse wohl hoffentlich bald vergessen haben werde.<\/p>\n\n\n\n<p>Komplett durchgeweicht ging es die letzten Meter in Richtung Tschechei. Irgendwie war ich ziemlich entt\u00e4uscht. Denn w\u00e4hrend auf der rechten Seite schon die ehemalige Zollstation und diverse Geb\u00e4ude mit der Aufschrift Bazar die Landeszugeh\u00f6rigkeit ank\u00fcndigten, passierte auf meiner Seite rein gar nichts. Nicht einmal ein Hinweisschild auf die Grenze oder so etwas \u00e4hnliches. Offenbar scheint uns Deutschen die rechte Seite der Elbe dann doch noch ein bisschen mehr zu geh\u00f6ren, und so kam einige Kilometer nach der linksseitigen Grenze dann auch mein erster Grenzpfeiler. Die Ente hat sich den einmal genau betrachtet. K\u00f6nnt Ihr sehen, wie aufgeregt die war?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Grenzgaengerente-900x506-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-379\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Deutsch-Tschechische Ente<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Auf einmal waren die ganzen Strapazen der vergangenen Strecke fort &#8211; denn in Tschechien dient der Elberadweg dann nicht mehr ausschlie\u00dflich R\u00e4dern, sondern auch Hobbyrennfahrern, die ihre vollbesetzten Autos mit atemberaubender Geschwindigkeit ebenfalls an der Elbe, nein, Labe spazieren fahren. Und das, obwohl mir schon entgegenkommende Fahrradtr\u00fcppchen durchaus Schwierigkeiten bereiteten. Hier war oftmals nur ein k\u00fchnes Ausweichen ins Schilf die einzige M\u00f6glichkeit am Leben oder bestenfalls auf dem Rad zu bleiben. Im Allgemeinen hat der Tscheche wohl eine etwas andere Einstellung zu Fahrradfahrern. Die werden hier n\u00e4mlich gern f\u00fcr Spinner gehalten. Sie k\u00f6nnen ja nicht wissen, dass es in meinem Fall auch tats\u00e4chlich so ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Strassen_Radweg-680x350-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-634\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Meine erste \u00dcbernachtungsstation sollte dann das Hotel Kocanda in D\u011b\u010d\u00edn sein, welches mir vom Elberadwegf\u00fchrer w\u00e4rmstens ans Herz gelegt wurde. Prinzipiell wollte ich zwar endlich mal die Kostenschraube nach unten regulieren, aber die beiden Pensionen bei denen ich um ein Nachtlager flehte, waren ausgebucht. Eine davon z.B. mit einem Ruderclub aus Berlin. Als ob in Berlin an der Spree nicht genug Wasser w\u00e4re. So musste ich dann also ins verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig teure Hotel. Sicher h\u00e4tte sich auch noch eine g\u00fcnstigere Alternative gefunden, aber mach das mal, wenn du klatschnass und v\u00f6llig durchgefroren bist. Ich war nur froh, ein Bett und eine Dusche zu haben, welche ich dann auch ausgiebig nutzte. Nur einen kleinen Abstecher zu Kaufland um die Ecke konnte ich mir nicht verkneifen. Einerseits weil mein Nachschub an Zigaretten zur Neige ging und andererseits hatte ich da seltsame Ger\u00fcchte geh\u00f6rt, deren Wahrheitsgehalt ich noch gern auf den Grund gehen wollte. Bei einem anderen Blogger hatte ich gelesen, dass man sehr viele deutsche Produkte in den Regalen der von deutschen Supermarktketten assimilierten L\u00e4nder findet. Und siehe da: nicht einmal die M\u00fche, den Mist umzuverpacken, machen sich unsere Discounter! Liebe Tschechen, ich bin absolut dankbar f\u00fcr jeden eurer kleinen L\u00e4den in jedem noch so kleinen Popeldorf. (Hier bekommt man n\u00e4mlich Wasser und leckeres Energieliefergeb\u00e4ck) Lasst euch das nicht von unserer Kaufkultur versauen. Supermarktketten = b\u00f6se!!!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/chriscovery.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Verpackung-Kuchen-680x350-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-652\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Klar ist &#8222;Einmal hin &#8211; alles drin&#8220; bequem, aber auch mal irgendwo in der Pampa eine Flasche Wasser kaufen zu k\u00f6nnen, ohne immer gleich das Auto zum n\u00e4chst gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dtchen nehmen zu m\u00fcssen, ist echt eine Attraktivit\u00e4t, die bei uns v\u00f6llig verloren gegangen ist. Wenn ich daran denke, wie ich in den ersten Tagen meiner Tour immer wieder nach Tankstellen oder kleinen M\u00e4rkten Ausschau halten musste, um meinen Wasservorrat im Lot zu halten, war das hier ein Paradies.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich muss zugeben, dass mich diese Infiltration von Kaufland, Aldi, Lidl und Co. schon ein bisschen ge\u00e4rgert hat und ich aus Protest auch bis zum heutigen Tage in keinem mehr gewesen bin!<\/p>\n\n\n\n<p>Das war es eigentlich f\u00fcr diesen Tag. Morgen berichte ich Euch \u00fcber die architektonischen Scheu\u00dflichkeiten, mit denen die Tschechen ihre wundersch\u00f6nen Altst\u00e4dte zerst\u00f6ren und \u00fcber den bis dato l\u00e4ngsten und hei\u00dfesten Tourabschnitt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie ihr ja sicher mitbekommen habt, kommen die Reiseberichte nicht immer ganz aktuell ins Netz. 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